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Erschienen
Gitarrennacht vereint Tonsprachen zu einer Botschaft
01/2012
Etwas mehr als neun Jahre ist es her, seit wir unter dem Titel „Der Starke, der Sanfte und der Moderne“ über einen gemeinsamen Auftritt der drei Gitarristen Claus Boesser-Ferrari, Peter Finger und Ahmed El-Salamouny berichteten. Am vergangenen Samstag Abend hat erneut ein Gipfeltreffen der drei grandiosen Ausnahme-Künstler stattgefunden, die nach wie vor – und immer mehr – zur Creme ihres Genres gehören.

Gastgeber Claus Boesser-Ferrari hatte diesmal eine „Neue“ dabei: „Endlich eine Gitarre, die älter ist als ich selbst“. Mit dem Resonator-Umbau aus der Werkstatt Peter Wahls (ähnliche Instrumente spielen unter anderem Abi Wallenstein und Thomas Maos) führte er auf der Bühne als Opener einen Kampf, der aber sehr viel sachter als sonst, fast besinnlich daherkam: Melodiös, warm, eine eigentümliche Spannung auf den Rest des Abends erzeugend – fast vermisste man seine experimentellen Eskapaden, mit denen er sich in einer genialen Form frei gemacht hat von allen musikalischen Konventionen. Glücklicherweise kamen sie dann doch: Fein dosiert, in auch für den Laien verdaulicher Darreichungsform – ein harter Wechsel in der Stimmung, unbeherrscht fast greift er in vollen Saiten Raum, nur um gleich danach in eine meditativ-ruhige Weise zurückzukehren. So ist „CBF“: Immer für eine Überraschung gut und der Mann mit der grauen Mähne, der um die ganze Welt tourt, stellt mit jedem Ton – ob sanft oder wie aus einer anderen Welt, ob er spielend sinniert oder mal eben Christkind, Winnetou und Fleetwood Mac zusammenspannt – klar, warum er zu den besten Gitarristen unserer Tage gehört.

Als eine Art „Exot“ zwischen den beiden Fingerstyle-Profis brillierte Ahmed El-Salamouny als hierzulande wohl unangefochtener Meister der brasilianischen Gitarrenmusik, der vor allem internationale Erfolge genießt. Sein ganz auf die Musik konzentrierter Auftritt, bei dem er als Künstler in den Hintergrund tritt, um unaufdringlich und mit zauberhafter Gelassenheit seine Zuhörer einzuladen auf einen phantasievollen Trip nach „Salvador“, wo er auch im kommenden Jahr wieder einen seiner heiß begehrten Gitarrenworkshops anbieten wird, zum Schwelgen in den fein gewobenen Motiven bei „Grauna“, die mit halsbrecherischen Läufen und reichhaltigen, graduell nuancierten Dynamikwechseln begeistern oder an die Strände aus „Crystal Voyager“: Ein Geschichtenerzähler in Tönen, ein Poet auf Saiten, ein Träumer im Klang.

Eine ganz andere Sprache spricht Peter Finger: Er liebt die angedeuteten Töne, die seinen Stücken oft einen markanten Beat verleihen. So beschwört er mit weit ausholender musikalischer Geste, die er zu kurzen, in satten Brüchen und prononcierenden Einhalten kaleidoskopartig aufgesplitterten Motiven focussiert, „Spice of life“ – ein virtuoser, ein großartiger Fingerarbeiter, der rastlose Unruhe auf dem Griffbrett garantiert. Gerade mit „Crossing roots“ einer Hommage an die vielen internationalen Musiker, mit denen er zusammenspielt, gab Peter Finger ein beeindruckendes Beispiel für die Wunder, die ein Paar Finger an der Hand eines Genies bewirken können. Zum Ausruhen für das Publikum, keineswegs aber weniger hörenswert und meisterhaft, das sanft-melodiöse „Unvergesslich“ für den begnadeten Gitarrenbauer Roland Oetter, das ebenso Tiefgang und Herzblut atmete, wie die vollmundigen „Passing clouds“.


Nach zwei Stunden Programm dann die Fusion: Die drei Musik-Granden auf einer Bühne. Und da waren sie wieder vereint in einer genialen Weise. Nicht die gleiche Sprache, aber die selbe Botschaft: Der Starke, der Sanfte und der Moderne.



Weitere Informationen im Internet unter: www.brazilian-guitar.de, www.boesser-ferrari.de und www.peter-finger.com.