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Erschienen
Was ist eigentlich Kultur?
04/98
Kultur hat immer etwas mit der Zeit, in der sie entsteht, zu tun. Sie ist ein Indiz für die Verhältnisse des Lebens.

Beispielsweise die "politische Kultur". Die Anführungszeichen sind hier doppeldeutiger Natur. Die politischen Mechanismen sind gerade heuer wieder einmal deutlich zu sehen. Kaum erleidet die Regierung eine Schlappe oder zwei - man denke an die Wahl Niedersachsen oder die Abstimmung zum Lauschangriff - und steht zudem kurz vor einer weiteren Wahl, greift man in die Porto-Kasse und gibt den Bedürftigen Almosen. Wie ist es anders zu erklären, daß Regierung und Arbeitgeber gemeinsam in das Es-geht-uns-wieder-besser-Horn stoßen. Übertreiben darf man natürlich nicht, so sind dann auch nur noch 200.000 neue Arbeitstellen drin, statt anfangs herausposaunten 500.000. Da hat man doch gelernt keine nachprüfbaren Versprechen zu machen. Irgendwie lassen sich schon 200.000 Arbeitstellen mit Statistiken vorrechnen, aber gleich eine halbe Million? Besser man bleibt da auf der sichern Seite. Bloß nicht wieder so was ungeschicktes wie "Die Einheit kostet keinen Pfennig". Dann doch lieber die Göd’sche garantierte Wertsteigerungschance.
Zur politischen Kultur gehört ja gerade im Wahljahr inhaltloses populistisches Geschwätz. Da kommt eine utopische Forderung des Angstgegners Rot-Grün nach 5 Mark Benzinpreis gerade recht. Da läßt sich der mündige Bürger nichts dreinreden. Autofahren muß, da es ja bei uns fast schon als Grundrecht zu betrachten ist, bezahlbar bleiben, Punkt. Jawohl - freie Fahrt für freie Hirnis! Das Autofahren ökologisch out ist, müßte klar sein, zumindest Autofahren mit Benzin oder Diesel.

Daß nüchterne Logik nichts mit Politik zu tun haben kann, zeigt uns ja auch schon der von Volkes Willen eingesetzte Gesundheitsminister. Recht hat er: Es gibt schon genügend Gesetze gegen das Rauchen. Schließlich darf man ja als Minderjähriger keine Zigaretten aus dem Automaten ziehen, das müßte doch eigentlich genügen, oder? Vielleicht auch noch das Rauchen öffentlich bannen und so den Nichtrauchern moralische Stärkung geben? Das würde auch wieder nur liebgewonnene Steuereinnahmen schmälern. Da könnte man ja gleich noch den Alkohol-Konsum verbieten. Vorsicht - das könnte zu offenen kriegerischen Auseinandersetzungen mit Bayern führen, und wer will schon eine Balkan-Krise im eigenen Land? Da tut man doch besser daran, die Augen vor den Fakten zu verschließen und weiter gegen Drogen zu wettern, verbotene, versteht sich.

Ein Wahlkonzept mit der Hauptaussage: "Mit uns dürft Ihr weiter Gas geben" scheint der kleinste gemeinsame Nenner unser führenden Köpf zu sein. Irgendwie hab ich Angst, daß nicht nur der Umfang des kanzler’schen Bauches manchmal an- und abschwillt. Sollte es auch das verantwortende Hirn tun, müssen wir mit ensthaften Quetschungen rechnen.

Aber das würde andererseits so manches erklären.

(td)



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