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Tomi Ungerer
Erschienen
Das liederliche Liederbuch
04/98
Wilhelm-Heyne-Verlag, München
88 Seiten / DM 39,80
"Der Grund für meine Illustrationen war meine Liederliebe, mein Ziel, den Deutschen das Singen wieder beizubringen", so schreibt Tomi Ungerer, der bereits weit mehr als einhundert Bücher zu allen möglichen Themengebieten veröffentlicht hat, im Vorwort zu seinem "liederlichen Liederbuch" über sein großes Projekt der siebziger Jahre, das "große Liederbuch", das mehr als eine Million Käufer gefunden hat. Nun hat er wieder einen Anschlag auf des Deutschen Lied geführt, diesmal aber mit ganz anderer Motivation: "Als Scherz und als Satire auf biederes Deutschtum", so Ungerer, der anmerkt, daß er sich "in einer Gesellschaft, die alles für den Konsum prostituiert, die dem niedrigsten Niveau der Mittelmäßigkeit frönt" motiviert fühlt, seine "Abscheu auszudrücken und dabei noch meinen Spaß zu haben". Und den hat er. Auf 88 prallen, drallen, lebensfunkensprühenden Seiten voll frivoler Sicht auf alte Texte, deren Sinn aufs abscheulichste umgedeutet wird - "Kein Buch für prüde Geister" warnt man deshalb bereits auf dem Buchdeckel. "Wenn alle Brünnlein fließen" ist da neben einem oral verkehrenden Jungfräulein zu lesen, das "Wo wir uns finden wohl unter Linden" aus "Kein schöner Land" ist unzweideutige Einladung zum Gruppen-Quickie unter wogenden Bäumen und "Hopp, hopp, hopp! Pferdchen lauf Galopp" die Hymne der Sado-Masochisten. Alles festgehalten im unvergleichlichen, unversöhnlichen Strich Ungerers - ein Greuel für biedere Hausmütterchen, aber eine Freude für den freien Geist. Eben eine ganz andere Art, sich den traditionellen Liedern unserer Lande zu nähern.