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Lewis Trondheim
Erschienen
Monströse Geschichten
05/2000
Carlsen Verlag AG, Hamburg
32 Seiten / DM 24,80 gebunden
SUPER!!!!!!!

So wollen wir Lewis Trondheim sehen: Neben seinem bekannt kantigen und trockenen Humor liebevoll und kindgerecht. Monströse Geschichten ist die intelligente Art, Comics für die ganze Familie zu machen.

Zuerst ist man skeptisch: Knappe 25 Mark für so ein dünnes Buch? Doch nach dem Durchlesen erkennt man schnell - hier war es Klasse statt Masse! Zu den beiden herausragenden Merkmalen dieses Albums.

Liebevoll und kindgerecht:
Monströse Geschichten ist von Kindern für Kinder. Im Vorwort wird auf die Mitarbeit von Trondheims Kindern hingewiesen. Wer nun bei den krackeligen Monster-Bildern das allseits beliebte "Das kann ja sogar meine 4-jährige Tochter" intoniert, hat sicher recht. Es kann ja wohl nie genug zum Selbermachen aufgerufen werden. Die Idee, andere Zeichner mit einzubeziehen, verwirklichte Tardi schon in seiner Adele # 8, und auch da waren Kinder-Monster mit dabei. Dieser Gedanke scheint Trondheim - oder seinen Kindern - so zugesagt zu haben, dass in seinem Bändchen 32 Seiten voller Kindermonstern zu sehen sind. Dabei ist der Umgang mit den Papier-Monstern recht einfach. Die Leichtgewichte können durch wegpusten auf Distanz gehalten werden.

Schräger Humor:
Trondheim kann es offenbar nicht anders: Seine ganz besondere Art des augenzwinkernden Humors kann er sich einfach nicht verkneifen. Was bei "Donjon" Konzept ist, und da fast zu weit getrieben wird, kommt hier mit einem Kinderlachen auf den Leser zu. Die Eltern der Comic-Familie verdienen ihr Geld mit Zeichnungen, die mittels eines Zauberpulvers ins Comic-reale Leben gebracht werden. Nur die Kinder dürfen dieses Pulver nicht benutzen, wo sie doch auch so gerne zeichnen. Besonders Monster liegen den beiden. Dann, beim Spielen, passiert das unvermeidliche - das Zauberpulver kommt aus Versehen über die Kinderzeichnungen.

So entwickelt sich eine lustig-spannende Geschichte, in der alle Beteiligten zeigen dürfen, dass sie sowohl Angst als auch Mut haben können. Besonders das tollpatschige Monster Oko muss jedem Leser ohne Intellektuellen-Dogma ans Herz wachsen. Trondheim übt mit neuen Zeichenhilfen, die perspektivisch verzerrten Monster und ihre Schatten sehen verdammt nach dem Programm Photoshop aus. Aber wenn es gut aussieht ist es nicht verwerflich, moderne Werkzeuge zu benutzen - oder sollen Comics noch mit Pflanzenfarben auf Höhlenwände gemalt werden?

Beckmesser hält die Klappe und sagt: SUPER!!!!!!