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Debby Bull
Erschienen
Seufzer in Gelee oder Wie man Liebeskummer einkocht
05/98
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg
175 Seiten / DM 24,80
Eine große Liebe

Wunderschön.
Doch verlerne nie,
allein gehen zu können,
allein bestehen zu können,
allein leben zu können.

Dann wirst du überleben.

Und die Liebe auch.

Kristiane Allert-Wybranietz


Ein weiser Ansatz für einen respektvollen, einen liebevollen Umgang mit dem Phänomen Liebe. Was aber, wenn auch die bestgehütete Liebe vergeht, wenn der Mensch, dem man sein Leben, seine Jahre, sein Glück anvertrauen wollte, plötzlich nicht mehr für diese und zu dieser Liebe bereit ist.

Die meisten unserer Mitmenschen ziehen sich in dieser Situation mit all ihrem Weltschmerz in eine möglichst einsame Ecke zurück, lassen weder Freund noch Freundin an sich herankommen und versinken im dunklen Schatten tiefster Depressionen.

Daß es auch anders geht, daß man mit dem Ende einer Liebe auch produktiv umgehen kann, hat die amerikansiche Autorin Debby Bull in einem im wahrsten Sinne des Wortes kleinen Bändchen unter Beweis gestellt: Zunächst hat auch sie versucht, die Schuld bei sich selbst zu suchen, mit Therapien an sich, mit Gurus und Selbsterfahrungsgruppen an ihrem Denken, mit der Flucht vor der bekannten Umwelt an ihrer Realität etwas zu ändern - natürlich erfolglos.
In 18 Kapiteln erzählt uns die Journalistin, die für renomierte Magazine wie "Rolling Stone", "US" und "Interview" schreibt, von ihren Erfahrungen, die sie bei den vergeblichen Versuchen, dem Kummer zu entfliehen gemacht hat - ein "Lebenshelfer" wie viele andere auf dem Markt, könnte man meinen.

Wäre da nicht die auf den ersten Blick etwas skurile, auf den zweiten Blick aber offenkundig sehr erfolgreiche "Einmachtherapie", die Debby Bull schließlich immer wieder das Glück gebracht hat: Sie kocht ihren Liebeskummer ein, verpackt ihn zwischen Mixed Pickels, Pflaumenmarmelade und Dillbohnen und verschenkt das alles an Freunde und Bekannte.
In der Beschäftigung, die das Einmachen mit sich bringt, in den Erfolgserlebnissen, die es ermöglicht, findet man, wenn man der Autorin Glauben schenken darf, Kraft und Erfüllung.

Die witzigen, mitreißenden und meist mit einer komischen Note versehenen verzeifelten Versuche einer "konventionellen" Verarbeitung einer frustrierend beendeten Liebesbeziehung unterbricht Bull mit Rezepten und Einmachanleitungen - die These "Nach einer kaputten Beziehung mußt Du vor dem neuen Anmachen erst einmal Einmachen" gewinnt so Kontur und Tiefe.

Damit revolutioniert die junge Amerikanerin alle bisherigen wissenschaftlichen Versuche, ein Patentrezept aus der latenten Depression nach einer gescheiterten Beziehung zu finden: Man braucht nicht mehr, als "Seufzer in Gelee". Und unzählige Viertelliter-, Halbliter- und Litergläser.