2017
 
 
 

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Jan Pienkows
Erschienen
Pension zum ewigen Frieden (Pop-Up)
05/98
Xenos Verlagsgesellschaft, Hamburg
12 Seiten
Einmal mehr stoßen wir bei der Vorstellung dieses Buches auf Probleme mit der "Klassifizierung", die wir - und das im Übrigen keineswegs willkürlich, sondern als Ergebnis eines gigantischen, langwierigen und kräftezehrenden Abwägungsprozesses - für unsere Rubriken vorgenommen haben.

Ein "Pop-Up" bewegt sich eigentlich im Spannungsfeld zwischen Spiel - vielleicht müssen wir dafür gelegentlich noch eine neue Rubrik "eröffnen" - und Comic: Es erzählt eine Geschichte, zumeist in unglaublich bunten Bildern; Comic. Aber dabei entstehen dreidimensionale Eindrücke, weil ganze Bildteile beweglich sind und beim Aufklappen der Seiten durch eine aufwendige Falt- und Klebetechnik aufgestellt, geschoben, gezogen oder aufgefaltet werden. Auf diese Weise zumeist auf etwas für Lesemuffel, die das Abenteuer im Buch suchen, ohne sich dabei durch fünfhundert Seiten kämpfen zu müssen. Sieht man einmal von den die Regel bestätigenden Ausnahmen ab, dann finden sich fast nur "literarische Leichtgewichte" unter den Faltkunstwerken. Es geht eben nicht um das Lesen, sondern vielmehr um das Erlebnis des dreidimensionalen Raumes.

Jan Pienkowskis "Pension zum ewigen Frieden" ist ganz zweifellos der absolute Klassiker unter den "Pop-Ups": Auf wenig mehr als 10 Seiten führt uns - den potentiellen Pensions-Gast - der Künstler durch ein Haus, in dem es nicht ganz mit rechten Dingen zugeht - gruselige Geisterstimmung ist angesagt! Sei es eine Spinne, die durchaus "arachnophobiale" Ausmaße annimmt, das froschartige Riesenmonster und die Krake in der Küche, das fischartig daherkommende Alien im "himmlischen Badezimmer" oder die monströse Fledermaus auf dem Speicher - auf jeder Seite warten neue Schrecken. Trotzdem bleibt am Schluß der "Führung" das Fazit des leider etwas zu unauffällig am unteren Rand der Seiten plazierten Textes: "Vom Keller bis zum Dachboden ein wundervolles Haus! Und noch nicht einmal eine Katze habe ich gesehen!" - in Wirklichkeit finden sich auf allen sechs Doppelseiten so ein hinterlistig dreinschauendes schwarzes Vieh.

Damit der Spieltrieb nicht zu kurz kommt, ist die "Pension" gespickt mit kleinen "Erlebnisstreifen": Am Seitenrand finden sich kleine Laschen, die das Bild bewegen, wenn man an Ihnen zieht. Ob es bewegte Augen, ein flackerndes Kaminfeuer oder aber ein Krokodil, das nach dem Bescuher schnappt, ist: Zusammen mit den unzähligen aufklappbaren Schranktürchen und Klodeckeln finden sich insgesamt über 20 "Action-Points", die Spiel, Spaß und Spannung garantieren.

Also: Ran an die "Pension" und mit viel Spaß gegruselt!