2017
 
 
 

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Alex Varenne
Erschienen
Carlotta
05/99
Verlag Schreiber & Leser, München
70 Seiten / DM 29,80
Der erste Blick in dieses Schwarz-weiß-Album aus dem Hause Schreiber & Leser verschreckt zunächst. Varenns Bilder sind gewöhnungsbedürftig: Ein grober Strich zeichnet Gesichter mit unpassenden Proportionen, die Bilder hinterlassen einen "unfertigen" Eindruck. Man möchte meinen, hier die Arbeit eines Anfängers vor sich zu haben. Doch "so ist halt Varenne".

Wer sich auf dieses Album - oder ein anderes des Zeichners - einläßt, wird rasch von der eigenartigen Stimmung der Geschichten beeindruckt: Schon nach wenigen Seiten gewinnen die Bilder ein eigenes Leben. Varenne erzählt Geschichten, die Bilder sind eine einfache Sprache, die er gekonnt benutzt, um - gemeinsam mit den Worten - den Leser schnell und fesselnd in seine Welt zu ziehen.

In "Carlotta" wird zuerst ein kleiner und bedeutender Ausschnitt aus dem Leben eines gutaussehenden und ausgenutzten Daseins eben dieser Carlotta geschildert. Die Mißhandlung des Mädchens beinhalten erzwungene Prostitution und Organentnahme. Ein nicht näher beschriebener Mann setzt Alles in Gang. Er wartet schon seit zwei Tagen, aber auf was? Carlotta kommt in sein Zimmer und bietet ihm ihre Dienste an. Dann eine Explosion. Zum Schluß hat der Leser jede Menge Leichen gesehen und selbst das Überleben des Mannes "der-wartete" ist nicht gewiß.

Varenne spielt mit den Erwartungen seiner Leser. Wie wird sich die Geschichte entwickeln? Wird es in einer Action-Story enden oder in einer Sex-Geschichte? Immer wieder werden scheinbar eindeutige Zeichen gegeben, nur um auf der nächsten Seite ad absurdum geführt zu werden. Die Story funktioniert nur, wenn man die verschiedenen Genres und ihre Stereotypen kennt.
Insgesamt bleibt die gezeigte Brutalität in Erinnerung. Ist die Grausamkeit Carlottas verständlich, vertretbar oder einfach nur ausgelebte Lust am Morden?
Also alles in allem ein Comic für dem erfahrenen und/oder erwachsenen Leser.

Obwohl die Spannung und die Gefühls-Achterbahn nur beim ersten Lesen richtig funktioniert, wird man dieses Comic immer wieder durchblättern, nur um zu sehen, wo und wie man "verladen" und manipuliert wurde.

Wenige Comics schaffen es, den Leser auch nach der letzten Seite weiter zu bewegen - Carlotta gehört dazu.
Harte Emotionen wie in "Stray Cats", nur intensiver und künstlicher.