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Erschienen
Blacksad #1: Irgendwo zwischen den Schatten
06/2001
Carlsen Verlag, Hamburg
48 Seiten / DM 29,90
Es war ein kalter und verregneter Abend, ebenso wie die Blondine mit dem übergroßen Ausschnitt hatte mich der letzte Inhalt meines Portemonais schon vor Tagen verlassen. Hätte ich die letzten Rechnungen der Stadtwerke bezahlt, wäre ein wenig Ablenkung durch den Fernseher drin gewesen, so blieb mir nur der Griff in die Comic-Kiste. Der fast schwarze Hardcover Einband sprang fast wie von selbst in meine Hand. Der grimmig blickende Kater auf dem Titel schien mir aus dem Herzen zu sprechen. Von political correctness hatte der Raucher wohl noch nichts gehört, wortkarg war er noch dazu und die vielen Text-Passagen hatten diesen dunklen Tonfall alter Krimifilme.

Hätte ich lachen wollen, wäre ein Don Rosa Donald Duck oder ein alter Gaston Band besser gewesen, aber diese Geschichte eines einsamen Privatdetektivs, der die Leiche einer verflossenen Geldgeberin und gleichzeitigen Liebhaberin begutachten muss, schien meine eigene, traurige Geschichte zu sein. So alt und bekannt diese Geschichte sein mag, sie wird immer wieder gern erzählt und auch gern gelesen - aber nur ungern gelebt. Und es kommt in dieser Geschichte alles wie es kommen muss: Held gerät in große, leichte bis mittelschwere Verletzungen mit sich ziehende, Schwierigkeiten, findet Helfer in der Not und löst schlussendlich in gehobenen Kreisen das aus niederen Beweggründen begangene Verbrechen auf. Nicht Neues, schon gar nicht für mich und wohl auch nicht für die große Masse der Anderen, der glücklicheren Menschen.

Aber warum nahm ich mir hin und wieder genau dieses Comic heraus? Sicher nicht wegen der niedlichen Tier-Gestalten. Ich kann über witzigeres lachen, als toternste Geschichten mit Katzen, Hunden und Rhinozerossen. Das Thema Fabel und wie sie der Gesellschaft ungeschadet einen Spiegel vorhalten können hatte ich schon in der 10. Klasse ad acta gelegt. Sicher auch nicht wegen der drei blanken Katzenbrüste und der romantisch verklärten Bett-Szene, oder den teils blöden Visagen mit Slapstick Grimassen. Was bleibt? Es werden wohl die herrlichen Bilder, die in düsteren Farben schwelgen, sein. Details en masse, perfekte Perspektiven und alte Socken, die man zu riechen glaubt. Sechs verdammte Jahre sollen die beiden Verantwortlichen für dieses Album gebraucht haben. Wie bereits gesagt, an der aufwendigen Story kann das nicht gelegen haben.


48 Seiten später, und auch bei der Seitenzahl bekanntes und bewährtes, bleibt einem zumindest ein dumpfes Gefühl im Magen zurück. Die vielen Klischees liegen schwer im Magen, die Augen angenehm abgelenkt und das mit der Blondine hat sich noch nicht geändert. Warten wir auf den nächsten Fall.