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Erschienen
Hergé-Ausstellung in Saarlouis
Kinderkram und Swing-Musik
06/2001
Stadt Saarlouis
Tim und Struppi im Museum? Sprechblasen im Tempel der hohen Kunst? Nach Roy Lichtenstein verkünstelte Panels zur Kunst erhoben, ist nun endlich mit Hergé auch ein echter Comic-Zeichner zu musealem Ruhm gekommen. Ist es nun ein Zeichen für die Lebendigkeit dieses Mediums, oder eher ein Abgesang auf die neunte Kunst? Bei der Vernissage dieser Ausstellung kam dem geneigten und jüngeren Publikum eher erster Eindruck. Bei nicht mehr so top aktueller Swing-Musik trugen drei ältere Menschen ihre Sicht über Hergé und sein Werk vor. Kritische Worte suchte man da vergebens, vielmehr wurden Tim und Struppi als Ikonen der Freundschaft vergöttert. Danach gab es einen Schluck Weißwein und dann war das Vernissage-Publikum schnell verschwunden. Zur interessanten Führung waren dann gerade noch acht Personen anwesend.
Wer den Weg als Fremder finden wollte hatte große Mühe das eine Hinweisschild in der Stadt zu entdecken, wenigstens die Einheimischen wussten bescheid. Dabei hat man sich wirklich was einfallen lassen auf Seiten der Museumsverantwortlichen in Saarlouis. Neben der obligatorischen und recht informativen Führung wird ein breites Spektrum an Aktivitäten speziell für Kinder angeboten. Anhand der Ausstellung werden eigene Comics gestaltet, Plakate gemalt, Fragespiele abgehalten und Grimassen studiert und gezeichnet. Und dieses Angebot ist für Schulen und gemeinnützige Organisationen weitestgehend kostenlos. Interesse? Da freuen sich die Veranstalter, die unter der E-Mail-Adresse Wiotte-Franz@saarlouis.de erreichbar sind.

Zurück zur eigentlichen Ausstellung. Was gibt es zu sehen? Den Kern der Ausstellung bilden die beiden Tim und Struppi Abenteuer "Der blaue Lotus" und "Tim in Tibet". Vor allem zum letzteren Abenteuer sind von den meisten Seiten von den Skizzen bis zur gedruckten und überarbeiteten Seite alle Produktionsstufen des Comics zu sehen. Teilweise sind auch Fotos der realen Artefakte zu sehen, welche die Detailtreue Hergés beweisen. Es ist spannend zu sehen, wie sich die Seite entwickelt, Hergé die freien Flächen der Blätter für Skizzen nutzt, übermalt und variiert.

Vor allem die beiden bereits auf ARTE gezeigten Dokumentationen vermitteln einen tieferen Eindruck von der Person Hergés. Hier wird auch die tendenziöse und Kolonialpolitik verherrlichende Sprache der ersten Abenteuer begreiflich, von der sich der Zeichner in den späteren Jahren drastisch distanzierte.

Neben den zu den beiden Bänden gehörenden Comic-Seiten gibt es einiges Interessantes und wertvollen zu sehen: So zum Beispiel die erste Tim uns Struppi Seite oder die Panels, in denen der junge Reporter seine markante Haartolle erhielt. Skizzenbücher und Originale des "Petite Vingtième" runden die nicht nur für Comicleser sehenswerte Ausstellung ab.