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Michael Cordy
Erschienen
Mutation
06/2001
Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co KG, München
415 Seiten / DM 44,90
Verschwörungs-Storys gehen einfach immer gut. Bei einer Rezension gilt es vorab einige Fragen zu klären: "Will man beschreiben oder kritisieren?" und "Soll ein Buch wichtig sein oder unterhalten?"


Bei dem vorliegenden Hardcover "Mutation" von Michael Cordy zuerst zur zweiten Frage: Dieses Buch will unterhalten. Grundsätzlich wollen wir in der Parnass kritisieren, was nicht heißen soll, dass wir alles schlecht machen wollen. Es gibt ja durchaus auch gute Kritik, nur eine reine Inhaltsangabe sollte eine Rezension nicht sein.
Aber damit fängt es meistens an. Also: Es dreht sich um drei Schulfreundinnen. Jede wird in ihrem Fach wirklich groß. Die eine steht kurz davor, die erste Präsidentin der USA zu werden, die andere ist Chefin des FBI und die dritte ist eine Top-Wissenschaftlerin (Wie klein doch die Welt ist, zumindest in den Romanen). Die Wissenschaftlerin hat das Gen entdeckt, welches für das Böse im Mann (nicht Mensch) ist (ist Michael Cordy ein Mädchen?). Und hat gleichzeitig auch einen Virus entwickelt, der Männer mit diesem Gen mordet. Ausprobiert wurde das ganze an zum Tode Verurteilten. Die Möglichkeit, das Verbrechen "per Salbe" zu bekämpfen, ist eine Grundsäule im Wahlkampf der designierten First Lady. Da aber die ersten versuche nicht genehmigt waren, darf diese Tatsache nicht an die Öffentlichkeit. Und die Pläne, den Virus auf der ganzen Erde zu verbreiten schon gar nicht, denn das hätte den Tod der meisten Männer zur Folge. Also muss zum Wohle der Menschheit dieser Plan bis zur Vollendung geheim bleiben, koste es, was es wolle. Aber die Wissenschaftlerin hat Skrupel und Freunde.


Damit steht der Plot. Als die Irakischen Soldaten wie die Fliegen sterben, freut sich noch die fiktive Welt, und auch der Leser kann sich eines gemischten Gefühles ob diesem Genozid nicht entziehen. Aber als es an die Tochter der FBI-Chefin geht driftet der Roman kurz in Richtung "Das Schweigen der Lämmer" ab und macht so die ganze eigene Stimmung der Geschichte kaputt. Insgesamt ist der Roman ein Frankensteinsches Monster und es mangelt an einer klaren Linie. Trotzdem ist er flott geschrieben und kann packend unterhalten. Die vereinzelten interessanten Ideen bleiben aber im Keim stecken, was dem Unterhaltungswert zu Gute kommt, den nicht unwichtigen Denkanstößen aber nicht so richtig auf die Beine hilft. Darf ein Unterhaltungsroman auch wichtige Themen anreißen?


Gehen wir von dem bei Trotzki dummen Menschen aus eher nicht. Denn wenn ein Thema nur angesprochen, aber nicht behandelt wird, geht das Interesse daran verloren. Besser kann man eine Diskussion nicht vernichten, als sie in einem Roman zum Hintergrund zu deklassieren.


Nehmen wir statt dessen den mündigen Bürger als dominanter Form des Buchlesers an, ist das Ansprechen eines ernsten Themas in einem Roman gut, denn der Leser wird sich nach der unterhaltsamen Lektüre weiter mit dem Thema beschäftigen.
Wo bleibt das Resümee dieser Betrachtung?? Irgendwo im Hals stecken. Natürlich kann man den Lesern (zumindest mal dieses Artikels) keine Dummheit unterstellen, zu groß würde die Anti-Haltung werden, aber den mündigen Bürger als flächendeckend existent zu Bezeichnen lässt an den demokratisch zu Stande gekommenen Wahlergebnissen zweifeln. Wie entzieht man sich also solch einer Schlinge?


Wir kommen zum Fazit:
Mutation ist ein spannender Roman mit Verschwörung, psychopatischen Mördern, arg konstruierten Verflechtungen der Hauptpersonen und einem festem Umschlag.