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Erschienen
TechnoMage
06/2001
SUNFLOWERS Interactive Entertainment Software GmBH, Langen
Etliche Stunden Spielzeit / ca. DM 80
Nach jahrzehnte langer Ignoranz öffnen sich die deutschen Buchmessen dem bis vor kurzem noch verpönten Medium Comic. Endlich darf man öffentlich als über 15-Jähriger Comics lesen. Wie lange wird es bei den Computerspielen dauern, bis deren narratives Potential anerkannt wird? Mittlerweile gibt es dennoch einige Spiele, die Geschichten erzählen können. Als Referenz wäre da zum Beispiel die Final Fantasy Reihe zu nennen oder für das Horror-Genre Resident Evil (Vorsicht, hoher Blut-Faktor).

Aus deutschen Landen frisch (nach ja, das Spiel hat mittlerweile seinen ersten Geburtstag schon hinter sich) auf den Tisch kommt TechnoMage von Sunflowers. Zuerst als Spiel für den PC, nun auch für die Playstation.

Leider hat man sich mal wieder einer bewährten Ausgangsposition bedient: Kleiner unschuldiger, herzensguter, tapferer und einfach zu guter Junge hat ein schweres Erbe: Seine beiden Eltern gehören verfeindeten Lagern an. Hier sind es die Magie benutzenden Dreamer und die Dampftechnik bevorzugenden Steamer. Im Dorf der Dreamer wimmelt es nur so von Blumen und Schmetterlingen, wo gegen bei den Steamers ein verrosteter Grundeindruck vorherrscht. Bei den Menschen scheint der erste Eindruck eher entgegengesetzt zu sein, während die Dreamer den Bastard Melvin aus dem Ort treiben, bitten die vom Unheil geplagten Steamer Melvin brav um Hilfe und bedanken sich danach auch ordentlich.

Vor diesem Hintergrund entfaltet sich eine leider nicht immer homogene Geschichte, die dennoch Spaß machen kann. Besonders bei der Vertonung hat man sich Mühe gegeben und ist dabei hie und da über das Ziel hinausgeschossen. Jede Figur hat eine eigene Stimme und die Texte werden stark betont gelesen. Dabei hat man wohl vergessen, das der normale Mensch auch hin und wieder mal normal spricht, und nicht wie im Hochdeutsch-Sprachkurs überbetont formuliert.

Die Geschichte im Allgemeinen ist eher auf ein kindliches Publikum zugeschnitten. Trotz der gefährlichen Situationen bleibt alles kindgerecht und insgesamt zuckersüß. Vor allem aber die Grafik schlägt in diese Kerbe. Bonbonfarben beherrschen das Bild, alles ist knubbelig und da machen selbst die Monster eigentlich keine Ausnahme. Gespielt wird in einer isometrischen Ansicht die frei gedreht werden kann. Es ist öfters notwendig, diese Fähigkeit des Spieles zu nutzen, zum Beispiel wenn aus allen Richtungen gefährliche Spinnen auf den Helden zukrabbeln. Das ist für den Spieler überschaubar, aber der reine Zuschauer muss dann aufgrund der hohen Geschwindigkeit der Grafik-Engine mit der Gefahr von Schwindelgefühl rechnen.

Technomage schreibt kein neues Kapitel in Punkto narrativer Dichte bei Computerspielen, aber die Möglichkeit, die Geschichte selbst voran zu bringen ist motivierend und die knudelige Grafik macht einfach Spaß. Der dem Anfänger angepasste Schwierigkeitsgrad macht es auch den ungeübten Erwachsenen leicht, in das Spiel zu kommen (Kinder sind da belastbarer), nur die zeitkritischen Hüpf-Orgien verderben wegen der unpräzisen Steuerung den durchweg guten Eindruck dieses Spiels.

Von ersten Band des Comics zum Spiel sollte man aber als Comic-Freund die Finger lassen.