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Cynthia Voigt
Erschienen
Bad Girls
06/2001
Verlag Sauerländer, Frankfu / M.
216 Seiten / DM 29,95

 

Gemeinsam sind sie unausstehlich.
Das merken Michelle - genannt Mikey - und Margalo sehr schnell.

Auf den ersten Blick haben die zwei Mädchen - beide neu in der Klasse - nicht viel gemeinsam.
Nach einer kurzen Phase des gegenseitigen Beäugens stellen sie aber fest, dass sie neben ihren Initialien noch eine ganze Menge verbindet.

Vor allem Mikey ist anders als der Rest der Klasse, kein bisschen angepasst und nett.
Sie tut, was sie möchte und legt sich schon am ersten Schultag mit der gefürchteten Lehrerin an.
In einer Prügelei Mädchen gegen Jungs setzt sie durch, dass auch das zarte Geschlecht mit Fussball spielen darf.
Voll trotzig zur Schau gestelltem Selbstbewusstsein bietet sie dem anerkannten Chef der Klasse - Louis Caselli - die Stirn.
Das kann der natürlich nicht auf sich sitzen lassen...

Auch Margalo widersetzt sich der allgemeinen Klassenmeinung und wendet sich gegen "King" Louis.
Aber sie hat eine ganz andere Strategie, sie agiert "hinten herum" und ist Meisterin darin, fiese Gerüchte in die Welt zu setzen, andere zu manipulieren und sich dennoch mit allen gut zu stellen.

Beide Mädchen geben vor, niemand anderes zu brauchen - aber in Wirklichkeit sind sie doch froh, so schnell eine Freundin gefunden zu haben.
Eine, mit der man durch dick und dünn gehen kann. Aber stimmt das wirklich, durch dick und dünn?

Schließlich haben beide haben ihren eigenen Willen und einen ziemlichen Dickkopf. Und als beide gerne Klassensprecherin werden wollen, fragt sich Margalo sehr schnell, warum sie eigentlich immer tun soll, was Dickkopf Mikey von ihr verlangt.
Mikey dagegen wundert sich beleidigt, warum ihre beste Freundin ihre Kandidatur nicht unterstützt...

Eine Freundschaft ist eben nicht immer ganz einfach, vor allem wenn zwei so sture und selbstbewusste Köpfe aufeinandertreffen.

Cynthia Voigt hat nicht nur ein Buch über Freundschaft geschrieben, sondern auch eins über Gruppenzwang und Andersartigkeit, über Schulalltag und Gleichberechtigung, über gemeine Jungs und fiese Mädchen.
Witzig und manchmal sehr nachdenklich zeichnet sie das Leben zweier Fünftklässlerinnen nach, die ihren eigenen Weg gehen.
Die Autorin schreibt wie immer gut lesbar und hält die eine oder andere Überraschung bereit.
Alle, die ihre Unwelt genau betrachten und sich Gedanken darüber machen, wie die Menschen um sie herum wirklich denken, werden ihren Spass haben.

Ein lesenswertes Jugendbuch, das aber trotz allem nicht die Erwartungen erfüllt, die man nach der preisgekrönten Tillermann-Saga automatisch stellt. (Alle Tillermann-Bücher sind ebenfalls bei Sauerländer erschienen.) Diesmal erreicht Cynthia Voigt nicht die gewohnte Intensität, die Geschichte reißt nicht auf die gleiche Weise mit, ist vielleicht eher für jüngere Leser geschrieben worden. Auch wenn wieder zwei ganz besondere Charaktere im Vordergrund stehen, fehlt der große Spannungsbogen. Das liegt möglicherweise daran, dass wir die Vorgänge diesmal eher als Außenstehende betrachten.

Ein freches Buch, das sich aber nicht in gewohnter Weise von der Masse der Kinder- und Jugendbücher abhebt.