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Petra Würth
Erschienen
Unter Strom
06/2001
Pia Petrys erster Fall
Hoffmann und Campe Verlag, Hambu
304 Seiten / DM 39,80

 

Pia Petry, Privatdetektivin. Klingt toll, oder? Aber Pia ist nicht ganz so, wie man sich eine Privatdetektivin vorstellt.

Von wegen kompetent, selbstsicher und erfahren.
Heutzutage gehört es ja zum guten Ton, dass Helden - oder Heldinnen - ihre kleinen Komplexe mit sich herumtragen. Pias Seelenleben quillt nur so über von einer bunten Sammlung der verschiedensten Probleme.

Ihren sicheren aber langweiligen Job hat sie an den Nagel gehängt, um die kleine Privatdetektei ihres Onkels zu übernehmen. Dass aber die neue Unabhängigkeit darin besteht, nächtelang im kalten Auto untreuen Ehepartnern hinterherzuspionieren und schmutzige Bilder zu knipsen, das hatte sie nun doch nicht erwartet. Und finanziell artet das Ganze langsam zu einem Desaster aus.

Dazu kommt noch ihr knapp bevorstehender vierzigster Geburtstag. Ihr Spiegelbild sagt ihr erschreckend deutlich, dass das Verfallsdatum jetzt schnell näher rückt.

Vor allem anderen plagt sie sich mit ihrem Freund, der sie ja ganz furchtbar liebt - solange ihm nicht eine nette kleine Blondine über den Weg läuft, der er einfach nicht widerstehen kann. Er ist nie um eine Ausrede verlegen, und sie glaubt ihm nur zu gerne.

Ganz alltägliche Probleme? Wohl schon. Trotzdem scheint Pias Leben mehr oder weniger im Chaos zu versinken, als sie einen neuen Auftrag annimmt. Einen ganz neuen Auftrag.

Mord. Zumindest behauptet das Isabelle Dujack, die Auftraggeberin, eine ungeheuer schöne, ungeheuer reiche junge Frau.

So weit, so gut. Dummerweise liegt dieser "Mord" schon neuen Jahre zurück, alle hielten ihn bisher für einen Unfall und das Opfer hat überlebt. Allerdings nicht ganz unbeschadet - die Frau liegt seitdem im Koma.
Also versuchter Mord.
Mit einem defekten Tauchsieder in der Badewanne.
An einer Frau, die ein unübersehbares Alkoholproblem hatte, der Adoptivmutter von Isabelle Dujack.
Alles sehr merkwürdig.
Aber am merkwürdigsten sind die Umstände, wegen derer sich Isabelle Dujack überhaupt an eine Privatdetektivin wendet: Sie meint, eine verdrängte Erinnerung wiedererlebt zu haben, in der ihre im Koma liegende Adoptivmutter um Hilfe ruft, aus Angst, man wolle sie ermorden.

Pia braucht das Geld, und nach kurzer Zeit beginnt sie, sich auch wirklich für den Fall zu interessieren. Und für den Adoptivvater Isabelles, den Charmeur Klaus. Immer verworrener wird die Sache, es bleibt nicht bei dem Unfall von vor neuen Jahren, weitere Menschen müssen um ihr Leben fürchten.

Auch der Leser wird nach der ersten Anlaufphase schnell in Bann gezogen von den merkwürdigen Verstrickungen des Falls, dem seltsamen Benehmen der Familie Dujack, den unterschiedlichen Erinnerungen und nicht zuletzt natürlich von Pias katastrophalem Privatleben.
Auf den ersten Blick mag sie sich wenig zur Sympathieträgerin eignen; dennoch fiebert man bald mit und vergibt ihr den einen oder anderen Schnitzer gerne.
Die Privatdetektivin stolpert mehr durch den Fall, als dass sie ihn gezielt aufklärt, aber trotz - oder gerade wegen - ihrer unkonventionellen, oftmals ungeschickten Art fügt sich ein Puzzlestück ans nächste.
Was zunächst wie völlig zusammenhangsloser Unsinn aussah, ergibt nach und nach mehr Sinn, als einem lieb sein kann.
Man traut Pia Anfangs nicht zu, den Fall tatsächlich zu lösen, genausowenig wie man erwartet, dass sie es jemals schafft, ihr Privatleben zu ordnen.

Es geschieht auch keine wundersame Emanzipation, keine Wandlung über Nacht, aber es ändert sich doch so einiges.
Enttäuschungen lassen reifen.
Und am Ende kann Pia nicht nur stolz auf ihren ersten richtigen gelösten Fall zurückblicken, sondern auch noch auf ein erheblich gestiegenes Selbstbewusstsein. Und sie kann sich auf einen weiteren Fall freuen, der ganz nebenbei schon von Anfang an in die Geschichte eingeflochten wurde.
Fast so mysteriös wie der erste.
Und bestimmt genauso unterhaltsam.