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Erschienen
8. Internationaler Comic Salon Erlangen
06/98
Was die IAA für die Auto-Welt, ist der Comic Salon Erlangen für die Welt der bunten Bilder. Seit 1984 hat auch Deutschland "seine" bedeutende Veranstaltung der neunten Kunst.

Hier treffen sich Zeichner, Verlage, Händler und Leser. Zum Programm gehören natürlich diverse Ausstellungen, Vorträge, Podiumdiskussionen aber auch ein spezielles Kinoprogramm und die Comic-Börse mit einem schier unüberschaubaren Angebot von Heftchen, Alben, Figuren und allem Möglichen rund um die Sprechblase. Wer hier Geld ausgeben will, braucht nicht weit zu gehen. Neben (fast) nur hier erhältlichen Sonderausgaben von Superheldenheftchen gibt es Originalzeichnungen und limitierte Siebdrucke.

Am ersten Ausstellungstag bildete sich für Stunden eine bis zu 50 Meter lange Schlange vor den drei Kassen, was man dann auch an dem Gedränge in der Halle bemerkte. Besonders bei den Ständen der Superhelden-Comics gab es lange Zeit kein Durchkommen.

Dem Phänomen "Neuer Heftchen-Boom" waren zwei Podien gewidmet: "Die Rückkehr der Superhelden - Die große Heftwelle - Boom ohne Ende oder Verlust des Anspruchs?" und "Buchhandel K.O. - Kiosk OK? - Der deutsche Comicmarkt 1998".

Wenn auch der Untertitel der erstgenannten Veranstaltung eine kritische Betrachtung des Themas indizierte, ließ schon die Auswahl der Podiums-Teilnehmer eine einseitige Verdammung der durchaus zweischneidigen Entwicklung nicht zu. Sechs Vertreter der Heftchen-Industrie saßen mit einem Vertreter von Carlsen (der nun auch sein Verlagsprogramm dem neuen Markt mit einer drastischen Reduzierung der Alben-Titel und dem Start von drei Heftchen-Titeln anpaßt) und einem Medienpädagogen an einem Tisch.


Natürlich gibt es auch auf dem Comic-Fast-Food-Markt gute Titel, doch die brauchten schon in Amerika lange, um sich zu etablieren. Da ist es wahrscheinlicher, daß wir zuerst einmal die leichtverdaulichen Produkte serviert bekommen. Sollte der Markt dann noch nicht zusammengebrochen sein, bleibt den anspruchsvolleren Titel hoffentlich noch eine Chance.


Auf der anderen Seite macht der Heftchen-Boom die Comics wieder bezahlbar. War es in den vergangenen Jahren nur den zahlungskräftigen Comiclesern vorbehalten, die Alben - durchschnittlich ab 17 Mark im Buchhandel - zu erstehen, ist es mit den Taschengeld-Heftchen nun wieder möglich, ab 5 Mark am Kiosk Comics zu kaufen. Wie im richtigen Leben halt: Ohne Licht kein Schatten.

Die Ausstellungen nahmen in Erlangen dankenswerterweise den größten Raum ein.

Hier kann man sich beispielsweise am Beispiel des Bandes "Des Volkes Freiheit" ein Bild davon machen, wie eine Comic-Seite entsteht: Von der niedergeschriebenen Idee über das Scribble zur Bleistift-, dann zur Tusche-Zeichnung und endlich zur fertig kolorieren Seite.

Dem 1996 verstorbenen Magnus ist eine dieser Ausstellungen gewidmet. Im Anschluß an die Präsentation in Erlangen werden die Exponate nach Hamburg ins "Erotische Museum" umziehen.

Eine überlebensgroße Heldin aus der Serie "Necron" (Frau in Leder vergnügt sich mit Verstorbenen) dominierte den "Großen Saal" in Erlangen.

Die städtische Galerie Erlangen zeigt in einer Kooperation mit dem "Festival de la Bande Dessinée de Blois" unzählige Originalseite von Jacques Tardi. Besonder beeindruckend ist der nachgebildete Schützengraben aus dem ersten Weltkrieg, nur mit "Um-die-Ecke-Guckern" kann man einen Blick auf die gezeichneten Schilderungen dieses Krieges werfen.

Soweit unsere ersten Eindrücke. Mehr war an einem Tag beim besten Willen nicht zu schaffen, aber es geht weiter!

(td)


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Erschienen: 06/98