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Titel:
Erschienen
Wien!
06/98
Autor:
Louis Lammerhuber / Alfred Komarek
Verlag: J & V Edition Wien / Dachs Verlag, Wien

Seiten: 218 Seiten

Foto- und Bildbände sind immer so etwas, wie Prostitution für das Auge. Und wie im "ältesten Gewerbe" gibt es Bildbände, die edel oder unauffällig, aufreizend oder ein wenig heruntergekommen dem zahlenden Publikum entgegentreten.

Da ist es selten, daß ein Machwerk ganz und gar aus dem Rahmen fällt, gleichsam als Exot unter den Anbietern. Dem Dachs-Verlag in Wien ist ein solch herausragendes, auffälliges, aber nicht auftragendes Spezialwerk gelungen: Zusammen mit "Wienern und assimilieren Nichtwienern, skeptischen Einheimischen, enthusiastischen Zugezogenen und diese Stadt diskret Liebenden" haben der Fotograf Lois Lammerthuber und Essayist Alfred Komarek eine gemeinsame Hommage an das Fleckchen Erde um die "Pummerin" herum abgegeben.

Die Liebe zu Wien spricht aus jeder Seite dieses aufwändig und technisch optimal produzierten Bildbandes, aus jeder Zeile und jedem kommentierenden Wort.

Was ihn aber so außergewöhnlich macht, ist die Kombination von "längst Bekanntem und immer wieder gerne Gesehenem" - der legendäre Herr Leopold im eigenen Café Hawelka (von wo wir, wir geben es schamerfüllt zu, dereinst eines der ganz speziellen Wassergläser mitgehen ließen, das noch heute umgeben von einer Aura des Wunderbaren in großer Ehre gehalten wird), die Fiaker am Stephansplatz, das Vienna International Center in UNO-City - und ganz anderen, ganz neuen Ansichten einer scheinbar zu bekannten Stadt: Das Amalienbad von "unter Wasser", das Theresiendenkmal bei Nacht, das Theater in der Josefstadt von "hinter den Kulissen", das "Hotel Orient" von innen.

Es sind faszinierende Blicke auf eine faszinierende Stadt. Blicke, die nicht nur vom zentral eingebundenen Essay Komareks gelenkt und geführt werden, sondern die mit vielen sinnlichen und sinnvollen Bildunterschriften und Zitaten ihre Richtung erhalten, ihre Tiefe und Durchdringungskraft - nötig, um hinter dem bloßen Pomp und der Patina der Jahrhunderte das Herz und die Seele Wiens zu entdecken.

Und in Anlehnung an ein großes Wort von J.F.K. sagen wir, von "Wien!" nicht nur gefesselt, sondern erneut und immer wieder bekehrt: "I bin kann Berliner, i bin halt an echts Weanerkind!"