2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
Cocomico zeigt Janosch-Musical:
Der große Kleine Tiger-Atlas
04/2000
Der Kleine Tiger und der Kleine Bär sitzen an einem schönen Tag zusammen in ihrer Hütte im Königsforst.

"Rate, wo ich geboren bin!" sagt der Kleine Tiger - damit beginnt eine der schönsten Geschichten aus der Feder des Kinderbuchzeichners Janosch.

Der gestreifte Freund ist weder in Schwetzingen, noch in Wolfenbüttel-Achterbahn zur Welt gekommen, sondern in Indien - "Indien gibt es nicht!" sagt da der Bär und reizt seinen kleinen Kumpanen zum Gegenbeweis: "Wo hinfahren, um zu zeigen, dass es das nicht gibt, das ist Kunst!"

Auch die Inszenierung des Cocomico-Musical "Die große Kleine Tiger-Reise", die wir uns Ende März gleich zwei Mal in der Hockenheimer Stadthalle ansehen konnten, findet hier ihren Ausgang: Zusammen mit ihrer Freundin Maya Papaya machen sich Tiger und Bär auf, um Indien zu finden - die Tigerente darf dabei natürlich ebenso wenig fehlen, wie die rund 1100 Kinder, die bei den beiden Aufführungen voll mit ins Geschehen eingebunden wurden.

Schließlich gab es gemeinsam einiges zu entdecken und auch einige Gefahren, sogar einen Hurrikan zu meistern.   In flotten Episoden und mitreißenden Liedern traf man zuerst in Holland, dann in Belgien und in Frankreich ein, wo der Onkel vom Kleinen Bären wohnt: Der "Camem-Bär".
Nach England, wo man von "Sir Big Ben" "Wellcome" geheißen wurde, ging es durch den "Euro-Tunnel" und dann verwandelte sich das Sofa, auf dem man bis hierher gefahren war, in einen Heißluftballon, später gar in ein Schiff. So war es ein Kinderspiel, nach Amerika zu kommen, wo man "Wingo" und "Ringo" in "The worlds greatest Tex-Mex-Show" erleben konnte, und nach einer Stippvisite im südamerikanischen Regenwald (wie Maya weiß: "Dat is die Klimaanlache der Erde!"), in Japan, "Chinesien" und Tibet endlich nach Indien zu gelangen. Dabei merkt die Reisegesellschaft schnell: "Das bisschen auf der Karte ist doch in echt viele hundert Kilometer weit". Aber das ist kein Problem, denn "wir sind Piraten, eine Horde voller Halunken", und die schaffen alles! Bevor man aber den Onkel vom Kleinen Tiger, den Königstiger finden und aus seinem Gefängnis befreien konnte, musste erst der Jäger Sir Samuel Samedi besiegt werden.

Während er sich in Brasilien noch überlisten ließ ("Dat is gar kein Tiger, dat is nur ein Schweinchen, das hab ich angemalt", hatte Maya dort geschwindelt), musste der Tiger nun nach richtiger Piratenmanier kämpfen - und ließ Samedi schließlich ziemlich blöd in Unterhosen dastehen. Da freun sich Königstigeronkel und die "exorbitant mutige Reisegesellschaft" gemeinsam - bis die Rede auf die Heimat von Tigerchen und Bärchen kommt: "Königsforst - gibt es nicht", behauptet der Onkel; allerdings nur so lange, bis alle zusammen dort in der gemütlichen Hütte sitzen und singend von weiteren Reisen träumen: "Einmal um die ganze Welt und bleib da wos Dir gefällt!"  

Was Hockenheim hier gesehen hat, war nicht nur eine lustige Geschichte, sondern eine durch und durch gut gelungene Produktion; nach den Riesenerfolgen mit den Musicals um den "Kleinen Vampir" und die "Pippi Langstrumpf" hat Cocomico aus Köln nun auch die beliebten Freunde aus den Bilderbüchern an die musikalische Front geschickt.

Mit tollen Liedern aus der Feder von Uwe Vogel, die gleichzeitig erzählen und zum Mitmachen und Mitsingen einladen, mit herrlich lustigen Dialogen, einem raffinierten Bühnenbild und vor allem mit ungemein engagierten Schauspielern. Kai Helm als "Mr. World", "Tigeronkel" und Samedi als Senior gesellte sich zu drei sehr jungen und experimentierfreudigen Mimen: Jürgen Ginter als Bär, Natascha Möllerhaus als "frech köllsch Mädsche" Maya Papaya und Kim Goldblatt-Morales als quirliger Kleiner Tiger haben sich perfekt mit ihren Rollen identifiziert, haben sie ausgelebt und lebendig werden lassen.

Sicherlich, bisweilen wurde dem Wunsch, möglichst viele Themen in die Produktion zu packen, ein wenig zu heftig nachgegangen: Eben noch betroffen im Urwald die Rodungen sehen und urteilen "Der Mensch ist eine Sau - ich bin froh, dass ich ein Bär bin!", dann sofort in den Trubel von Karneval in Rio - da stimmt was nicht!

Trotzdem. Was die jungen Künstler hier auf die Bretter stellen, ist wirklich ein Musical mit Herz und Verstand, mit packenden Bildern und mitreißender Musik - genau, wie man es angekündigt hatte.


Wer nähere Infos zur "Großen Kleinen Tigerreise" sucht: Die Homepage von Cocomico findet man unter http://www.cocomico.de.