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Erschienen
Strapazin #57
04/2000
Strapazin Meiler Verlag, München
92 Seiten / DM 10.-
Wieder gibt es ein prallvolles Heft voller eigenwilliger Comics, denen man nach einigen Minuten Lesens nicht mehr anmerkt, dass ihnen die Farbe fehlt. Wobei "fehlt" absolut die falsche Bezeichnung ist. Vielmehr scheint doch Farbe oft dazu benutzt zu werden, um das Fehlen einer Geschichten zu überdecken. Strapazin beweist Monat für Monat, dass Bilder verbunden mit Texten durchaus in der Lage sind, komplexe und bewegende Geschichten zu erzählen.

In der Nummer 57 geht es um die Zukunft des amerikanischen Comics. Dabei stehen nicht die großen Verlage im Vordergrund, auch wenn ein Beitrag der etablierten Gebrüder Hernandez mit vertreten ist. "Letters from Venus" ist eine typische Hernandez-Story um zickige Mütter verkorkster Töchter und ahnungsloser Andersgeschlechtlicher.

Bewegend ist das ruhig erzählte Schicksal Epps. Ohne besondere Highlights herauszuheben schwimmt der Leser durch das Leben eines schüchternen und rückradlose Niemands. Im Laufe der 22seitigen Geschichte tauchen einige meist weibliche Figuren auf, die wie er weder normal noch auffällig sind. "Ich hätte nicht gedacht, dass mich ein nackter Mann so kalt lassen würde - nichts für ungut, aber es gibt aufregenderes." Halt- und perspektivlos scheinen die Gestalten zu sein und lassen den Leser dennoch nicht in Ruhe. Auf fast literarische Weise wird der Voyeur beim Leser befriedigt, ohne in Big-Brother-Plattheit (wackelnde Bettdecken und problemsuchende ewig Pubertierende gibt es hier nicht) abzugleiten. Einem Sprechblasen-Borito gleich - ohne eigentlichen eigenen Geschmack aber hart im Magen liegend.

Wer bei den Bildern von Gary Panter das stereotype "Das kann meine sechsjährige Tochter auch" nicht zurückhalten kann, ist natürlich mit jedem Strapazin schlecht beraten, denn nicht immer erschließen sich die Geschichten beim ersten Lesen.

Manchmal wollen diese Geschichten vielleicht auch nichts erzählen. Das klingt fast nach einem Besuch im Museum, hat aber jede Menge Ironie und Abwechslung fürs Auge und Hirn in seinen 92 Seiten für nur zehn deutsche Mark.