2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
Das Waldfestival Hockenheim ging in die 23. Runde
09/1999
13 Stunden Musik auf der Bühne im Alten Fahrerlager Hockenheim. Sieben Bands waren verpflichtet, jede Menge Essen und Trinken vorbereitet, ca. 30 Helfer standen bereit um mit dem Publikum eine große Party zu feiern. Und die fand dann auch bis in die frühen Morgenstunden statt. Angefangen hat es mit einem Kulturschock für die meisten Helfer. STS heißen die jungen Rapper aus der Pfalz und die hatten ihre Freunde LaChilum mitgebracht. Nach einem fetten Soundcheck lag Hockenheim dann also komplett im Bann des deutschen Hip Hops. Eine allgemein positiv aufgenommen Überraschung waren dann Ratsbane. Ihre Punk-Musik mit der Mandoline bannte schnell die Anwesenden. Krummhörner trafen sich mit tanzbaren Rhythmen mittelalterlicher Couleur. Die Pforzheimer lobten das Publikum, die Musikanlage und die Steak-Brötchen mit Zwiebeln - da wären sie als Pforzener schließlich Experten. Die ungemein freundlichen Musiker konnten mit ihrer Musik eine Brücke zwischen den Generationen schlagen, junges und altes Publikum waren sich einig, Ratsbane war eine tolle Band. Damit war dann auch der Kopf des Kulturreferenten des Waldfestivals gerettet.

Den Abschluss des Freitags, es sollte der Samstag Morgen werden, bildete die Formation Wefunk.. Virtuosität an den Instrumenten und ein gutes Feeling fürs Publikum zeichnen die Band aus. Ihr Soul ließ die Bühne grooven, kein Fuß blieb ruhig, alles wiegte sich im Rhythmus und war gut drauf. Einziger Wehrmutstropfen für die Veranstalter: Dass das Waldfestival seit zwei Jahren Freitag und Samstag stattfindet, anstatt wie seit 22 Jahren Samstag und Sonntag, hat sich noch nicht richtig rumgesprochen Aber wer nicht da war hat halt einiges verpasst, Strafe muss sein.

Nach kurzen Aufräumarbeiten ging es am Samstag ab ca. 18 Uhr weiter. "Auch ich war des öfteren trunken, doch hat es mich nie gereuet", so sah für einige das gut auf Goethes 250. Geburtstag abgestimmte Motto des Tages aus. Aber zuerst machten die harten Jungs von Lunatics United den schon am Vortag unter Beschuss gekommenen Kulturreferrenten einen Kopf kürzer, denn sie machen definitiv keinen besinnlichen Rock. Davon überzeugten sie die zu dieser frühen Stunde angenehm zahlreiche Zuhörerschaft mit Nachdruck. Hart aber intelligent donnerte es von der Bühne herunter und die Band konnte sich erst nach einigen Zugaben wieder ins Zelt hinter der Bühne zurückziehen.

Das ein alter Musik-Stil wie der Blues immer noch quick-lebendig klingen kann, zeigten dann Travelling Crow. Frontmann Hammer und seine Männer trafen voll den Geschmack der nun schon richtig vielen Besucher und ließen die ersten Anzeichen von Rheuma und Bandscheibenbeschwerden des Stamm-Publikums vergessen. Aber dann kam die 49. Minute.

Der Auftritt von Double X hinter der Bühne war schon aufsehen erregend, gleich drei kräftige Jungs testeten die Stabilität der Bierbänke im Musiker-Zelt, und die harten Alkoholika wurden nur des Anstandes wegen von der Flasche in die Becher umgefüllt. Das es wirklich harte Burschen sind bewiesen sie indem sie so ziemlich als einzige die seltsamen roten Fruchtgummis mit Zahnpasta-Geschmack mit sichtlichem Vergnügen verschlangen. Wo andere Band ihr Publikum mit viel Aktionen einheizen müssen, kommt die Äktschän mit Double X irgendwie automatisch mit auf die Bühne. Zur Musik der schweren Jungs muss man wohl nicht mehr viel sagen, aber es ist die einzige Band, deren T-Shirts bei keinem am Bauch knapp werden. Da tanzte der Bär und die Bühne wackelte, was die Männer von der Technik doch mit etwas Sorge sahen.

Die Festival-Macher hatten also mit der angekündigten Party nicht zuviel versprochen. Langsam gingen die Steaks und Bratwürstchen aus, kurz gefolgt vom Chilli. Da war es aber auch schon Sonntag. Durch die Verknappung an Essbaren nahmen plötzlich auch die heißen Würstchen und die Fischbrötchen reißenden Absatz. Aber ein Ausverkauft ist nicht nur finanziell das kleiner Übel gegenüber dem Wegschmeißen.

So deutlich beruhigt sahen Veranstalter, Fans und der ganze Rest dem letzten Akt des Waldfestivals entgegen. Die Trinidad-Hockenheim Connection setzte das Werk ihrer Vorgänger wie aus einem Guss fort. Riddim Posse verlieh der Party nun einen Reggea Touch. Klassiker von Marley, bei denen jeder mitsang, ließen trotz der vorgerückten Morgenszeit kaum einen an den Nach-Hause-Weg denken.


Irgendwann endete dann der offizielle Teil des Programms. Aber auch lang nachdem die Bühne abgebaut (dieser Zustand liest sich auch auf einige noch anwesende anwenden) war, fand der Wald keine Ruhe. Eine mitgebrachte Trommel und eine stimmgewaltige Schar sangesfreudiger Festival Besucher bildete den endgültigen Abgesang auf eine tolle Veranstaltung. Hoffentlich wird der Kassensturz die Veranstaltung nächstes Jahr auf ein solides finanzielles Fundament stellen.