2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Walter Moers
Erschienen
Feuchte Träume
09/1999
Eichborn GmbH & Co Verlag KG, Frankfurt/M.
72 Seiten / DM 24,80
Feuchte Träume - assoziiert dieser Titel doch erotische Unterhaltung, vermittelt der neue Moers eher eine bedrückende, furchtsame Vorangst vor der Geschlechtsreife, treten die besagten Filme des Unterbewusstseins doch vermehrt in der Mann/Frau-Werdung auf. Dem prä-pupertierenden Jungvolk wird hier die Lust auf die Lust im Keim erstickt und so der Fortbestand unserer hohen Rasse gefährdet. Liegt hierin vielleicht der niedere und verabscheuenswürdige Sinn dieses schwer zu durchschauenden Werkes? Bekleckert es doch die Höhen unserer geistige Reife mit dem Schmutz kleingeistigen Hinterfragens in fast inhaltsloser Weise. Keine Lebenslage wird ohne den Verdacht des gewollt Debilen oder Infantilen gelassen.

Feuchte Träume ist je kürzer desto härter, je länger um so hintersinniger. Besonders das Gespräch zwischen Lektor und Autor offenbart die marode Grundeinstellung des Schöpfers dieser Zeichnungen zum Kulturgut Buch, erbost will man laut "Gabalah" ausrufen. Sofort erstickt der Schrei, würde man sich doch als Leser offenbaren. Frauenfeindlichkeit ist noch eher ein Lob, gemessen an den anderen Lästerungen. Ist dieses Treiben im lang- und triefnasigen Zeichenstil noch leicht als Schulbank-Beschmutzung abzutun, erlangt die Ungeheuerlichkeit zum Ende des Buches seinen Höhepunkt. Echte Fotos werden hier mit schändlichen Untertiteln in den Dienst des Bösen gestellt. Wäre die Zeit der Buchverbrennung nicht vorbei, Moers würde sich sicher selbst dem Feuer übergeben.

Sprunghaftigkeit wird hier zum Stilmittel erhoben, die Gesetzte der Kausalität werden verhöhnt und die Welt wird nach dieser Lektüre nicht mehr die selbe sein. Wehmütig erinnert man sich seiner eigenen feuchten Träume und sieht, wie sich über den rosigen Glanz dicker Titten der trübe Schleier des Moerschen Humors legt. Wieder eine sonnige Erinnerung beim Teufel. Zu allem Übel fordert der Schriftsteller den Leser auch noch auf, sich in seine sprachlose Schluß-Episode durch Füllens der leeren Sprechblasen mit einzubringen. Einer raffiniert gemachten Werbung gleich, soll man sich auf das Gelesene konzentrieren und weiter erzählen. Eine wahrhaft perfide Methode der Indoktrination.


Leicht benebelt fragt man sich, ob man die sexuelle Anspielung in der Geschichte mit der pädagogisch wertvollen und nachsichtigen Alarmanlage verpasst hat. Keine Geschichte unterlässt es sonst, den Leser auf schlüpfrigen Boden zu führen. Schon wieder ein Mechanismus, selbst gegen besseren Vorsatz diese Bibel des Schmutzes erneut zur Hand zu nehmen.
Oh Gott, es überkommt mich schon wieder!