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Erschienen
Die Form des Wassers
07/2001
LübbeAudio, Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach
2 CDs (110 Min.) / DM 39,90
Ein Ermordeter ist nicht unbedingt etwas Ungewöhnliches für einen Commissario der Mordkommission - aber ein Toter, der offensichtlich nicht ermordet wurde?

Trotzdem ermittelt Commissario Montalbano auch dann weiter, als die Autopsie ergeben hat, dass der einflussreiche Politiker Luparello eines natürlichen Todes gestorben ist. Zu merkwürdig erscheinen ihm die Umstände des Todes: Der allseits bekannte und mächtige Luparello wird früh Morgens in einer verrufenen Gegend von zwei Müllmännern entdeckt - mit heruntergelassenen Hosen in seinem Auto sitzend...

Und sein Tod kommt manchen nicht ungelegen. Schließlich hat er in der Politik eine Menge Fäden in der Hand gehabt. Merkwürdig, dass sein bester Freund und Parteigenosse so gar nicht überrascht reagiert, als er von dem tragischen Vorfall erfährt. Wusste er etwa Bescheid? Oder war sein "Freund" doch eher ein Rivale?

Der Tote hatte in der besagten Nacht ganz offensichtlich eine Begleiterin - von Zeugen als attraktive Blondine beschrieben. Die Frage ist bloß: Wer ist sie? Und warum ging der diskrete Luparello das Risiko ein, mit ihr zusammen auf unmissverständliche Weise gesehen zu werden?

Auch eine kostbare Kette, die ganz offensichtlich von der unbekannten Dame verloren wurde, bereitet Kopfzerbrechen. War es tatsächlich Zufall, dass ein so auffälliges und teures Schmuckstück am Tatort zurückgelassen wurde?

Plötzlich meldet sich die Besitzerin, und alles wird noch mysteriöser. Weshalb will sie es angeblich unbedingt wieder zurück haben, obwohl sie doch gar keinen Schmuck trägt?

Anfangs wollen die verschiedenen Spuren einfach kein zusammengehöriges Bild ergeben. Commissario Montalbano muss einsehen, dass der Fall sich wie Wasser verhält: Er nimmt immer die Form an, die man ihm gibt. Und es ist schwer zu entscheiden, was sich tatsächlich zugetragen hat.

Erst ganz zum Schluss ergeben die Mosaiksteinchen einen Sinn und der Commissario kann den Fall auch für sich abschließen - mit dem merkwürdigen Gefühl, seine Kompetenzen doch ein wenig überschritten zu haben... Schließlich ist er Commissario und kein Gott.

Es fällt zunächst schwer, sich in die sizilianische Szenerie einzufinden und die unterschiedlichen Namen und Titel nur auf Grund des Hörens auseinanderzuhalten - man kann schließlich nicht einfach ein paar Seiten zurückblättern und schnell nachlesen. Zum Glück sind die beiden CDs aber in kurze Abschnitte untergliedert, so dass man nach einiger Zeit abschalten und bei nächster Gelegenheit an der gleichen Stelle wieder weiterhören kann.

Trotzdem muss man sich bemühen, die komplexe Geschichte gleich beim ersten Hören ganz zu verstehen und die einzelnen Details richtig ins Gesamtbild einzuordnen. Relativ schnelle Szenenwechsel steigern das Erzähltempo und lassen keine Langeweile aufkommen, erhöhen aber auch die Anforderungen an die Zuhörer.

Die Geschichte ist in sich stimmig, obwohl man erst ganz zum Schluss begreift, wie nahtlos die einzelnen Erkenntnisse zusammenpassen. Die Spannung bleibt auf einem konstanten Niveau, auch ohne dass irgendwelche bedrohliche oder brutale Element direkt in den Erzählstrom einfließen. Alles dreht sich um die persönlichen und politischen Verstrickungen der verschiedenen Figuren, die alle irgendwie an einer bestimmten Version des Todes interessiert sind.

Dennoch steht eindeutig die Figur des Commissarios im Vordergrund, der eigenwillig und eigenmächtig seine Ermittlungen führt. Beseitigung von Beweismaterial ist da schon fast die kleinste Übertretung der Vorschriften. Geleitet von einem sicheren Instinkt und seinem Willen, andern zu helfen, schließt er den Fall auf seine ganz eigene Art ab, ohne dabei aus den Erkenntnissen Gewinn zu ziehen.

Daniel Grünberg hat den Roman von Andrea Camilleri in ein ansprechendes Hörspiel verwandelt, das auf große Effekte verzichtet und eher auf die Wirkung der eigentlichen Geschichte vertraut.
Ein spannendes Hörerlebnis, das den Verstand seiner Zuhörer herausfordert.