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Clarisse Nicoidski
Erschienen
Die großen Malerinnen -Weibliche Kunst von den Anfängen bis zur Gegenwart
07/1998
Scherz Verlag AG, Bern
256 Seiten / € 9,15
Der Klappentext dieses Bandes beschwört, daß der "längst fällige weibliche Blick auf die Kunstgeschichte" endlich gelungen sei. Es sei eine "gelungene Mischung aus Biografie, lebendiger Erzählung und kunsthistorischer Einordnung" geschafft worden.

Was sich der Leserin, vielmehr vielleicht noch dem Leser dann aber enthüllt, ist eine zwar sauber recherchierte, sprachlich sehr klare und leichte Lektüre, die aber allzuoft in dne Fesseln des gewollt fraulichen gefangen bleibt: Längst vorbei sind die Zeiten, in denen mit Verbalinjurien und Pauschalverurteilungen gegen die angeblichen Frauenhasser aller Generationen schon Bestsellerlisten erstürmt werden konnten: Heute weiß man, daß die "systematische und überaus suspekteWeise", auf die den Frauen oft die höhere Weihe gesellschaftlicher Anerkennung vorenthalten wurde so suspekt gar nicht war. In diese Argumentationsfalle aber tappt die Autorin in ihrem ansonsten sehr bemerkenswerten Buch immer wieder. Bereits auf der ersten Seite aber - das muß man ihr zugestehen - entschuldigt sie sich eben für diese Unzulänglichkeit bei Leserin und Leser: Das Buch müsse in vielem "parteiisch und ungerecht erscheinen."

Gelungen ist im großen und ganzen die historische Einordnung der Kunst in den Rahmen ihrer Zeit. Durch den Exkurs weg von biographischen Ausführungen über die Künstlerinnen hin zu allgemeinen Phänomenen ihrer Zeit eröffnet sich auch kunsthistorisch eher weniger bewanderten Lesern eine reiche Welt, von der nicht nur im Hinblick auf die Kunst von Frauen profitiert werden kann.

Ein wenig bedauerlich ist neben der schwachen Aufmachung - es finden sich lediglich 14 abbildungen in dem 250-Seiten-Werk - die Beschränkung auf vorrangig bekannte Künstlerinnen, die vorzustellen vielleicht nicht unbedingt erforderlich gewesen wäre, weil Namen wie Hildegard von Bingen, Käthe Kollwitz oder Frida Kahlo sich ohnedies in jeder halbwegs ernstzunehmenden Kunstgeschichte finden.

Wann endlich, das soll unsere Aufforderung an die Autorin sein, erscheint ein ähnliches Werk - vielleicht befreit von den Anachronismen feministischer Vorverurteilungen - über die wirklich unbekannten Künstlerinnen der verschiedenen Epochen, reich bebildert und mit klarer Zielsetzung.

Ein Bedarf wäre hierfür allemal vorhanden.