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Titel:
Erschienen
Wunderbare Welt
07/98
Autor:
Nick Butterworth & Mick Inkp
Verlag: Brunnen-Verlag für Kinder- un Jugendbücher GmbH, Gießen

Seiten / Preis: 32 Seiten / DM 29,80

 

Eas Bilder- und Erlebnisbuch aus dem Brunnen-Verlag ist längst zu einem international gefeierten Bestseller geworden. Auf 32 bunten Seiten wird die Geschichte der Welt seit Anbeginn erzählt: "Am Anfang war es stockdunkel. Nichts war zu sehen. Absolut nichts! Dann befahl Gott: Licht soll aufstrahlen! - Und da war es auch schon!"

Über die Entstehung der Planeten, das Woher von Tag und Nacht und die Trennung von Land und Wasser geht es weiter. Dann kommen Pflanzen "bis große Wälder die Erde umspannten und das ganze Land grün aussah. Es war wunderschön!" - "Und dann fing der Spaß erst richtig an: Gott schuf die Tiere!"

Ein rießiges Löwenmaul brüllt den staunenden Betrachter hier, etwa in der Mitte des Buches an und mag uns als gelungenste Erklärung dafür dienen, warum "Wunderbare Welt" ein "Erlebnisbuch" geworden ist. Eingeklebte Bilder, die sich beim umblättern automatisch aufklappen, Klappen, die Geheimnisse verbergen und Stanzungen, die die Blick auf ein bestimmtes Element im Wirrwar eines ganzen doppelblattes lenken laden zum Miterleben, zum Ausprobieren, zum "Hinter-die Fassaden-Schauen" ein. Da lassen sich in der Mitte geschnittene Seiten umblättern oder auch nicht, um Tiere zu erfinden, die Gott nicht geschaffen hat - zum Beispiel die "Straraffe" (Strauß und Giraffe). Leider fehlen die "Flärs" (Fledermaus und Bär).

Schließlich blickt der junge Leser - oder der schon etwas reifere, dem dieses buch ob seines enorm großen "Spaß-Effekts" ebenfalls anempfohlen sei - in einen Spiegel und erkennt, was Gott "ganz zum Schluß" als "etwas wirklich Wunderbares" geschaffen hat: "Du bist es! Und ich natürlich. Jeder andere auch. Gott schuf den Menschen. Wir sind sein Meisterwerk. Sein schönstes Stück! HURRA!"

(Wir wollen aufgrund der unglaublich netten Idee und der wirklich gelungenen Bilder davon absehen darauf hinzuweisen, daß die Diskussion, ob der Mensch tatsächlich die "Krone der Schöpfung" oder im Nachhinaun betrachtet eher eine Art "evolutionärer Rülpser im Laufe der Geschichte" ist, durchaus auch im Kindesalter schon angemessen ist.)

Zumal die Wendung auch in Butterworth/Inkpens "Wunderbare Welt" recht deutlich ausfällt. Der Mensch sei so gescheit, wird da eben noch propagiert, werden die technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften aufgezählt. Und gleich darauf: "Meinst Du nicht auch, daß wir auf diese wunderschöne Erde, auf der wir leben, besonders gut aufpassen sollten? Gerade weil wir so gescheit sind? Aber seien wir ehrlich: diese Aufgabe haben wir nicht gerade gut erfüllt." Und dann finden sich hinter den Klappen mit Auszügen aus der heilen Natur gerodete Wälder, saurer Regen und verpfuschtes Wetter. "Das ist nicht gerade sehr gescheit!"

Schließlich - und damit entlassen die beiden Autoren die Leser in deren ungewisse Zukunft - bleibt noch die Möglichkeit, sich zu ändern: "Es wird bestimmt nicht leicht sein. Und auch nichts sehr schnell gehen. Aber wenn wir uns ändern, dann... Ja, dann..." Das versöhnliche Schlußbild ist eine Erdkugel, die sich mit einer kleinen Drehung in eine intakte Welt mit vielen schönen Pflanzen, Tieren und Meeren, oder aber in eine verpestete Kugel mit abgeholzten, brennenden Wäldern und dampfenden Fabrikschloten verwandeln läßt.

Also: Wenn wir uns ändern, dann... Ja, dann...