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Johji Manabe
Erschienen
Drakuun
08/2001
mg publishing, Rastatt
660 Seiten (Hardcover im Schuber) / DM 79,80
Das ist fett! 660 Seiten Manga des "Outlander"-Schöpfers Manabe. Ein Hindernis - oder ist es eine Eigenschaft - von vielen Mangas ist deren Endlosigkeit. Fast so schlimm wie "Gute Zeiten..." und so weiter scheinen die japanischen Schwarz-Weiß-Wegwerfprodukte kein Ende zu finden. Dabei sind einige Mangas immerhin nur episch andere jedoch einfach nur endlos (so hoffen das wenigstens die Verlage). Da wünscht man sich manches Mal eine Gesamtausgabe, wenn so eine epische Geschichte rum ist. Tsunami, das Manga-Label von MG-Publishing, macht es wahr. Drakuun, die dreiteilige Serie, gibt es als Hardcover im Schuber zum Freundschaftspreis von rund 80 Mark.

Der deutschen Ausgabe liegt die amerikanische "Dark Horse"-Produktion zu Grunde, das heißt vor allem westliche Leserichtung von vorne nach hinten. Aber leider bekam man in Rastatt nur die gedruckten Seiten und keine Filme aus Amerika. So waren Moire und/oder Unschärfen leider nicht vermeidbar. Insgesamt hat die Veröffentlichung mit ihrer ziemlich junge Sprache in der Übersetzung - einige Schreibfehlern inbegriffen - den Charakter eines Fan-Projektes. Die buchbinderische Arbeit des Hardcovers und des Schubers sind dagegen voll gelungen.

Aber was letztendlich zählt ist der Inhalt eines Comics. Bei den Zeichnungen gibt es Manga-mäßig nichts zu meckern. Manabe beherrscht sein Metier wie die meisten japanischen Comic-Künstler. Hier schleichen sich keine Fehler in Proportion oder Mimik ein, das könnte man sich auf dem harten Markt in Japan gar nicht leisten.

Nach der Space-Opera "Outlander" erzählt Manabe die Geschichte des kleinen Staates Ledomian und dessen kurzen Kampfes gegen das Romunilianischen Reiches. Karula ist die zweite Tochter des Königs und soll den Friedensvertrag mit dem Reich unterzeichnen. Da das aber nur die besiegelte Unterwerfung und die Versklavung des Ledomainschen Volkes wäre, versucht sie den Kaiser Gustav (nicht nur in den Lensmen sind deutsche Namen für die Bösen beliebt) zu ermorden. Der Plan geht voll in die Hose. Ledomain muss sich eine Woche später den Reichstruppen geschlagen geben und die königliche Familie wird in alle Winde zerstreut.

Karula versteckt sich in einem Wanderzirkus, ihre Schwester ist an Bord des Romunilianischen Warlords Kurgh gefangen und der König liegt im Verlies im Sterben. Rosalia, die andere Prinzessin, entkommt nur durch den Sprung aus Kurghs fliegender Festung der Gefangenschaft und überlebt diese Aktion nur, weil ihr Vater seine letzten Kräfte zusammennimmt und sie durch einen Zauber rettet. Rosalias ehemalige Bewacherin ist inzwischen zu ihrer Geliebten geworden und die beiden versuchen nun Kurala zu finden. Die liebt mittlerweile den ehemaligen Kommandanten der Grenzwache. Doch Kurgh hat größeres mit Karula vor. Er gibt ihr ein Seelenschwert, dessen Macht mit jeder verschlungenen Seele zunimmt. Sie soll Gustav vernichten und so für ihn den Weg zum Tron freimachen.

Rakuun hat oft ein "Krieg der Sterne"-Feeling. Mächtig viele Unmenschen gehen ihrem gewöhnlichen Treiben im Hintergrund der Bilder nach und vor allem die Bar-Szenen könnten genauso in Lukas Film gesehen worden sein. Daneben gibt es noch fliegende Festungen satt. Gewürzt wird die Story mit einer Menge Sex. Okay, heutzutage kann man verschlungene nackte Körper in fast jedem Film ab acht sehen, und japanisch korrekt gibt es weder männliche Geschlechtsteile noch Schamhaare zu sehen. Hie und da eine Vergewaltigung und die Lesbennummern machen das Repertoire komplett. Gut in die Geschichte eingebunden tun die Ausflüge ins Erotische auch nicht wirklich weh.

Was weh tun kann ist das Ende von Drakuun. Der Leser begleitet die Hauptpersonen bis zum Beginn der großen Schlacht gegen Kurgh. Besonders im dritten Teil des Buches werden noch einmal mit der Brechstange Figuren in die Handlung eingebunden, was das Zeug hält. Das führt zu einigen unnötigen und störenden Brüchen. Auch das Ende scheint ein Notstopp zu sein. Heroisch, aber leider offen, enden die 660 Seiten, die über zwei Drittel toll unterhalten konnten. Übrigends soll der Zeichner selbst nicht besonders glücklich über das Ende der Geschichte sein und immer noch mit einer Fortsetzung liebäugeln - hoffen wir das Beste.


Die Idee, Mangas nach Ende der Serie komplett zu veröffentlichen, ist gelungen und die Aufmachung ist vorbildlich. Manabes Bilder sind sehenswert und die Geschichte über weite Teile gut - mit dem erotischen Plus. Nur das Ende und die unscharfen Bilder trüben den ansonsten guten Eindruck des Buches.