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Erschienen
Extrem #7
08/2001
Extrem Erfolgreich Enterprises, Leipzig
48 Seiten / DM 9,90
Die Berliner rund um den "Die Ärzte"-Schlagzeuger haben sich das Grauen und die Blutlust auf die Fahnen geschrieben. Der Top-Titel des Verlages ist "Faust" - eine Orgie von Brutalität und Sex. Dabei soll Faust auch noch eine Geschichte haben, aber wen interessiert das schon? Den gewöhnlichen Faust-Leser sicher nicht. Faust ist eine amerikanische Lizenz-Produktion. Und genau damit hören die Berliner bald auf. Wegen der schlechten Umsatzzahlen steigt EEE aus dem Lizenz-Geschäft aus. Auch die schon hoch gelobten "Hellboy"-Comics sind davon betroffen - schade.

"Extrem" heißt das Magazin voller Blut aus dem Hause EEE. In der Nummer sieben ist eine schräge Mischung unterschiedlich guter Storys zu finden. Den Beginn macht der dritte und letzte Teil der "Blut"-Geschichte. Ordentliche Zeichnungen im realo-Stil voller sinnloser Metzel-Szenen. Sogar die Story ist hirnlos. Einfach schlecht. Die Extrem-Achterbahn nimmt den Leser dann mit einer "Mignola"-Story ganz mit nach oben. Hier wird die absurde Story zum Stilmittel erhoben. Erinnert nicht nur wegen der groben Bilder an alte Underground-Zeiten. Rusty Razorclam ist mit seinen sieben Seiten das Highlight des Heftes. "Heimkehr" ist eine derbe Böse-Buben-Story nach amerikanischem Muster in deutschen Landen. Was im Film oft peinlich in die Hosen geht, klappt hier richtig gut. Nette Pointe mit "Punisher"-T-Shirt - Lesenswert! Die letzten Seiten bringen "Prima Ballerina" von Christian van Alster und Daniel Alles. Wären die Namen nicht so typisch deutsch, man könnt dieses Comic für eine Kurzgeschichte des DC-Labels "Vertigo" halten. Abgedrehte Story um ein kleines Mädchen ohne Beine mit ekligen Eltern, die es einem am Ende der Story so richtig warm werden lassen.

Wäre nicht dieser Mist "Blut" könnte man Extrem richtig empfehlen. Dabei spricht sich der Leserbriefonkel deutlich gegen Gewalt im realen Leben aus: "EEE ist ein Comicverlag und keine Zuflucht für hirnlose Amokschützen". Aber wer liest schon die Leserbriefe und nimmt das, was der freundliche Dr. Tiefsterwinter da schreib, so richtig ernst? Besonders angesichts solcher Titel wie "Faust" oder "Melting Pot"? Klar, diese Comics bieten grafisch einiges, aber der Inhalt ist zumindest diskussionswürdig. Aber gerade beim Thema Reflexion versagen die erwähnten potentiellen Amokschützen.

Jetzt kommt von der Stammtisch-Ecke schon wieder der Ruf nach Indizierung und Verbrennung. Danke für diese stumpfsinnigen Kommentare. Verbote wirken für die sowieso rebellische Jugend nur interessant und Gewalt ist ein Bestandteil des menschlichen Seins. Das ist nicht schön, aber nicht wegzudiskutieren oder wegzuverbieten. Gewaltdarstellung weckt Emotionen und mit denen muss man umgehen. Da aber genau das kein Teil der öffentlichen Erziehung ist, bereitet so etwas Probleme. So bleibt am Ende dieser Besprechung nur mal wieder das Resumee, dass wir in den Schulen das Falsche lernen und dass dieses Problem in unserer Gesellschaft wie ein Krebsgeschwür wächst und wächst und wächst.


Extrem kann man sich anschauen, hat schöne und deutsche Comics, aber nicht nur das.