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Wolf von Lojewski
Erschienen
Noahs Club
09/2000
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg
208 Seiten / DM 29,80
Was ist das Paradies?
Wo liegt es?
Kann man es künstlich erschaffen?
Oder zerstört man es gerade dadurch?

Ralf und Erik sind Brüder. Beide leben sie in New York, aber sie haben eine völlig verschiedene Auffassung vom Leben und dem, was ihm eine Bedeutung verleiht.

Doch die zwei - so verschieden sie auch wirken - sind doch eng miteinander verbunden, spiegeln die beiden Seiten einer Medaille wider.
Sie sehen sich nur selten. Aber Erik kann sein Leben nur deshalb so komfortabel führen, weil Ralf Geschäfte macht.
Die heißt Erik nicht immer gut. Aber einmischen ist nicht seine Stärke.

Er beobachtet, denkt, kritisiert. Verbringt viel Zeit mit sich und seinen Gedanken, mit Büchern, Kunst.
Träumt.
Geht auf die Suche nach dem, was ihm einen Sinn eröffnen kann.
Zieht sich aus dem modernen Leben, das nicht seines ist, zurück.
Und wird doch unversehens hineingezogen in die ganze Geschichte.

Ralf leidet darunter, dass Erik Liebe geschenkt - sogar hinterhergetragen - wird und er selbst sich alles erkämpfen muss.

Er ist Rationalist, aber auch er hat Träume. Seit langem träumt er davon, ein Paradies zu erschaffen. Ein Sammelsurium der beeindruckendsten Bauwerke und Naturschauspiele dieser Erde. Ein Paradies nur für Privilegierte, eine Art ganz exklusiven Club der Superlative. Noahs Club.

Er beauftragt Erik, eine der ausgewählten Kulissen zu begutachten. Und schon wird Erik gezwungen, seine Beobachterrolle aufzugeben. Er trifft eine Frau. Und setzt damit eine Kette von Ereignissen in Gang.

Wolf von Lojewskis Roman spielt in einer Welt, in der alles etwas unwirklich scheint. Das Künstliche beeindruckt mehr als das Ursprüngliche.
Es ist nicht die Alltagsrealität -und dennoch handelt die Geschichte der ungleichen Brüder vom Leben unserer Zeit. Von den Entscheidungen, die wir treffen müssen. Und vom Sinn, der in all dem so leicht verlorengeht.

Der Autor, bekannt als Moderator des ZDF-"heute-journal"s, bietet uns in seinem Roman einen kritischen und zweifelnden Blick auf die in ihrem Fortschrittsglauben gefangene Welt, in der Beschaulichkeit und Rückbesinnung nicht mehr viel zu suchen haben.
Das verlorene Paradies muss künstlich nachgebaut werden, weil die Welt um uns herum Stück für Stück zerstört wird.
Und wer es sich leisten kann, sucht Zuflucht in Noahs Club - die Anspielung auf die Biblische Geschichte ist unübersehbar.
Nur dass Noah für seine Arche damals die Fahrkarten nicht verkaufte.