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Tad Williams
Erschienen
Fluss aus blauem Feuer
09/2000
Klett-Cotta, Stuttgart
900 Seiten / DM 49,90
 

"Fluss aus blauem Feuer" heißt die Fortsetzung des ersten Bandes der Otherland Reihe von Tad Williams im Klett Cotta Verlag. Ist es nun wirklich der Herr der Ringe der Gegenwart? Nein! Wer sich leicht von großspuriger Werbung verärgern lässt, sollte keines der beiden bisher erschienenen Otherland-Bücher zur Hand nehmen. Doch zu diesem Thema lesen sie bitte unsere Meinung zum ersten Teil.

Gleich zu Beginn klärt Williams den Leser über seine Planung hinsichtlich Otherland auf: Vier Bände soll es geben - da gibt es viele Seiten zu füllen. Und so liest sich dieser spannende Roman, der sich geschickt von einem trendigen Thema zum nächsten hangelt, immer flüssig und spannend, aber letztendlich mehr wie eine Endlos-Fortsetzung mit Soap-Opera-Charakter.

Die Helden müssen sich im Otherland-Netzwerk von einer virtuellen Welt in die nächste retten. Eine verwahrloste "Wizard of Oz" Welt ist dabei genauso vertreten, wie die ewig aufgewärmte Idee einer Welt, in der die Menschen klein wie Insekten sind. Einzige Neuerung in der Rahmenhandlung ist ein psychopatischer Mörder, der eines der Figuren der kleinen und versprengten Gruppe übernimmt.

Ähnlich dem Strip bis auf die Knochen aus Teil eins, ergießt sich Williams in der Beschreibung dieser Figur in einer Flut aus Gewaltphantasien. Nun gibt es also eine natürliche Gegenkraft zum blassen !Xabbu. Der ist weiter Dackeltreu und genauso langweilig wie unglaubwürdig. Schade, dass für die große Story im Hintergrund nicht viel getan wird. Da passierte im ersten Teil einfach mehr.

Das es sich bei den vielen besuchten Weltmodellen zumeist um hinlänglich bekannten Szenarien handelt, ist zwar realitätsnah, aber auf die Dauer doch ermüdend. Einzig die Demontage des zuckersüßen Oz-Themas beweißt eine Spur hintertriebenen Humors.

"Fluss aus blauem Feuer" ist trotz aller negativer Kritik brillant geschrieben. Allein die Wortgewalt und das Geschick Williams, den Leser bei der Stange zu halten, sind berauschend. Da ist es auch erfreulich, dass Klett Kotta aus seinen Fehlern gelernt hat. Der Veröffentlichungstermin des zweiten Bandes wurde verschoben. Die zusätzliche Zeit nutzte man einer Meldung des Verlages zufolge, um die Übersetzung noch einmal zu überarbeiten (Da fühlen wir uns doch in unserer Ansicht zum ersten Teil gleich bestärkt). Die zusätzliche Arbeit hat sich gelohnt! Nur Lektoren werden jetzt noch wirklich Fehler finden.

So legt man das Buch nie ohne die Lust zum Weiterlesen aus der Hand. Nun ist bald wieder Frankfurter Buchmesse, und einem Album der Band Status Quo gleich, wird es wieder ein neues Otherland Buch geben. "Berg aus schwarzem Glas" wird es heißen und sicher wieder so unterhaltsam wie seine Vorgänger sein.