2017
 
 
 

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_____________________________

(Von Georg F. W. Tempel und Frans Stummer)
Erschienen
Se Mäking of Die Ärzte-Comic
09/98
© Pressematerial des Ehapa-Verlags Stuttgart
Tag 1:
In Hamburg treffen wir drei Herren mit seltsamen Namen, falschen Bärten und bunten Haaren. Nachdem wir sie mit Überraschungseiern bestochen haben, geben sie ihr Okay zur Expedition ins Schattenreich.

Tag 3:
In unserer Mannschaft befinden sich äußerst zwielichtige Typen (einer soll sogar Akademiker sein). Das Schiff ist mit allem Nötigen beladen (Proviant, Tusche, Fingerfarben, Zitronen gegen Skorbut etc.). Wir sind bereit, ins Ungewisse aufzubrechen. Ob wir unsere Lieben jemals wiedersehen werden?

Tag 5:
Wir liegen vor Madagaskar. Heute morgen haben wir entdeckt, daß der Smutje sich an den Tuschevorräten vergriffen und die Hälfte davon geschnupft hat. Vor aller Augen ließen wir ihn kielholen. Ein harter Schlag für die gesamte Mannschaft.

Tag 6:
Nach tagelangem Beschuß fällt endlich Nairobi. Unter dem Altar in der Moschee finden wir die ersten drei Seiten. Großer Jubel! Rum für alle.

Tag 7:
In der Meerenge von Gibraltar werden wir von einem U-Boot des Carlsen Verlags torpediert. Das Schiff sinkt, wir verlieren den Quacksalber und den Schiffszimmermann, doch der Gegner muß teuer dafür bezahlen: Wir entern und finden in der Milz des Kapitäns weitere zweieinhalb Seiten.

Tag 10:
Zu Fuß kämpfen wir uns über die Pyrenäen durch. Schneefälle. Wintereinbruch! Wir sitzen fest.

Tag 12:
Heute Nacht hörten wir furchtbare Schreie durch das Notlager gellen. Bei Tagesanbruch fanden wir das Zelt des Obermaats verwüstet vor. Riesige Fußabdrücke überall, von ihm keine Spur.

Tag 17:
Immer noch in den eisigen Klauen dieses vermaledeiten Bergmassivs. Die Mannschaft ist am Ende. Drei weitere Mitglieder wurden vor zwei Nächten entführt. Vor Verzweiflung haben einige schon angefangen, daran zu glauben, daß Helmut Kohl wieder Kanzler wird.

Tag 19:
Smersh greift an. Obwohl der Einschlag des nuklearen Gefechtskopfes unangenehm ist, schmilzt aber doch die Eisdecke. Wir brechen durch nach Marseille!

Tag 21:
In einer Bouillabaisse finden wir zusätzliche vier Seiten. Nach all den Strapazen haben wir diesen Erfolg bitter nötig. Die Mannschaft schöpft wieder Hoffnung, daß wir unser Ziel erreichen können.

Tag 23:
Wir sind erst einmal wieder in die Basis zurückgekehrt. Rod schickt seine "Sekretärinnen", um uns aufzumuntern. Sie müssen uns zu Willen sein: Cindy kocht, Naomi putzt das Bad, und da wir ohne Vorräte sind, schicke ich Kate zum Einkaufen. Sie bekommt alles umsonst, da sie so dünn ist.

Tag 24:
Großer Jubel beim Frühstück! In einer Cornflakespackung finden wir drei Seiten, die uns noch gefehlt haben. Zur Belohnung darf Kate im Haus schlafen.

Tag 26:
Wir sind pleite. Brauchen dringend Geld für Gags. Muß stehlen.

Tag 27:
Kein Geldgeber in Sicht. Wir braten Cindy, bevor die Mannschaft zu meutern beginnt. An ihr ist wenigstens noch etwas mehr dran als an den anderen.

Tag 28:
Unser Priester erinnert sich heidnischer Bräuche und liest in Cindys Eingeweiden. Reicht leider nur für eine Seite light. Aber immerhin.

Tag 30:
Wir überfallen einen Papiertransporter, der unser Tal durchqueren will. Zäher Kampf. Papier verdreckt. Beste Grundlage für schmutzige Witze.

Tag 31:
Die Einpeitscher von Ehapa verlangen ein Cover. Habe die Idee, Godzilla darauf zu benutzen. Diskutiere den Einfall mit unserem Kumpel Roland "Rollie" Emmerich. Findet die Idee super, wäre vielleicht sogar ein Filmstoff, meint er.

Tag 33:
Durch einen alchemistischen Prozeß gelingt es uns, sieben Seiten der "Bravo" mit zwei Seiten "Micky Maus" und einer Seite "FAZ" zu verschmelzen. Daraus transmutieren wir eine Essenz von drei Seiten "Ärzte-Comic". Ein großer Fortschritt.

Tag 34:
Die Polizei schnüffelt herum. Wollen wissen, wo Cindy abgeblieben ist. Stellen uns dumm und wimmeln sie ab. Können jeglichen Verdacht auf den Rowohlt Verlag lenken.

Tag 37:
Schlagen unerwartet drei Seiten bei Grabungen unter den Alpen aus dem Fels. Aber Freude ist nur kurz. Beim Einbruch der Stollen verlieren wir vier Männer und die Seiten.

Tag 38:
Bei einem Unwetter schlagen unsere Tanks mit "Sinn" und "Logik" leck. Müssen fürderhin darauf verzichten. Kratzen die Reste aus den Tanks und bekommen mit Mühe noch eine halbe Seite zusammen.

Tag 40:
Einer der Männer hatte eine gute Idee! Bestellen fünf Seiten bei Neckermann. Zwar Billigware, aber die Zeit drängt. (Extraration Rum für den Mann nicht vergessen!)

Tag 41:
Entschlüsseln weitere sechs Seiten aus dem "I Ging". Nicht übel, allerdings stört der Akzent. Müssen außerdem die Schlitzaugen mit Tippex übermalen und neu zeichnen.

Tag 42:
Bekommen von einem zwielichtigen Medium zwei Seiten, die sie angeblich unter dem Einfluß von Michelangelos Geist gezeichnet haben will - leider nur mit unsichtbarer Tusche. Ob die Drucktechnik schon so weit ist, das zu reproduzieren?

Tag 43:
Bela ruft an. Möchte im Comic besser wegkommen. Fangen an, die Seiten umzuzeichnen.

Tag 44:
Farin ruft an. (R-Gespräch. Wir sind wieder mal pleite.) Möchte im Comic ebenfalls besser wegkommen. Krisensitzung mit der Mannschaft.

Tag 45:
Rod ruft an. Möchte, daß die anderen beiden im Comic schlechter wegkommen als er. Was jetzt? Der Mannschaftsarzt schlägt vor, einen "Ärzte-Comic" mit den Toten Hosen zu zeichnen. Ein erregter Heizer erschießt ihn. Der Tod ist noch zu gut für ihn.

Tag 46:
Krisensitzung mit Axel Schulz (Ärzte-Management). Unser Zeitplan hinkt maßlos hinterher. Er droht mit Singverbot für die Ärzte, wenn sie uns nicht gewähren lassen.

Tag 48:
Bela ruft erneut an. Mit dem Schnurtelefon aus dem Hinterhof einer Berliner Mietskaserne. Ist wesentlich billiger. Gibt uns die Koordinaten für ganze zehn Seiten durch. Beeindruckend. Wir vermuten, daß er mehr weiß, als er rausrückt, und gutes Wetter machen will.

Tag 50:
Wir sollten nun zwei Drittel der Seiten haben. Die Mannschaft streitet, wie die einzelnen Seiten geordnet werden sollen. Ich schlage vor, erst alle geraden Seiten, dann die ungeraden.

Tag 52:
Sind unterwegs nach Brasilien, um Kaffeebohnen für die braune Farbe zu ernten. Habe gestern einen Bittbrief an Carl Barks und Rudi Wäscher abgeschickt.

Tag 53:
Fidel verweigert uns die Einreise nach Brasilien. Müssen auf Getreidekaffee zurückgreifen.

Tag 55:
Wieder zurück in der Basis. Eilsendung von Wäscher. Hat uns zehn Seiten von "Sigurd" zur Verfügung gestellt. Können aber nur die Sprechblasen benutzen.

Tag 56:
Der Verlag hat uns einen Vorschuß gewährt. Wir haben unseren neuen Smutje sofort zu MacDonalds geschickt, um 200 Juniortüten zu kaufen. Endlich können wir wieder etwas essen, und die Fingerfarben in den Tüten lösen unser Problem mit der Kolorierung.

Tag 60:
Können keine Hamburger mehr sehen. Entdecken, daß die Hamburger nur aus Pappmaché bestehen egal. Die Mannschaft beginnt bereits, die Fingerfarben zu rauchen. Das Material von Barks, das gestern eintraf, ist erste Sahne. In Kombination mit Wäschers Sprechblasen ergibt das fünf neue Seiten.

Tag 61:
Die Zeit wird knapp. Uns fehlen noch sechs Seiten. Zusammen mit der Mannschaft kommen wir zu dem Schluß, daß wir die ersten sechs Seiten einfach nochmals ans Ende hängen. Das merkt bestimmt keiner.

Tag 64:
Haben die Seiten nach Sachsen-Anhalt geschickt, wo sie von 256 Hausfrauen mit Eiweißlasurfarben koloriert werden. Morgen ist Abgabe beim Verlag. Der Champagner steht schon kalt!

Tag 65 - 90:
Da der Erdteil, auf dem der Verlag sich befindet, dem plötzlich sehr starken Kontinentaldrift zum Opfer gefallen ist, müssen wir ihn lange suchen. Erhalten einen Scheck. Ist leider nicht beschriftet - Mist! Ende.