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Hayao Miyazaki
Erschienen
Prinzessin Mononoke - Der Comic zum Film #3 + #4
07/2000
Carlsen Verlag GmbH, Hamburg
je 144 Seiten / je DM 12,00

 

An der grundsätzlichen Gestaltung dieser Filmadaption hat sich natürlich nichts geändert, und so verweisen wir auf den Artikel über die ersten beiden Bände.

Der Film soll übrigens im Rahmenprogramm des Erlanger "Comic Salons" gelaufen sein - im CineStar Kino liefen täglich mehrere Animes. Ein weiteres Zeichen dafür, dass nun nach der Zeit der amerikanischen Superheldencomics die Zeit der Mangas gekommen ist.

Während die franko/belgischen Produktionen oft einen gesellschaftlichen Anspruch haben und die Superhelden-Comics Entertainment pur sind, liegt für uns Europäer in den asiatischen Geschichten immer noch ein Hauch von unbekannter und unverständlicher Exotik.

Wenn auf unseren Schulhöfen Kinder beraubt und erpresst werden, kann man sich nicht mehr mit Krimis in eine vom Alltag ablenkende Scheinwelt zurückziehen. Dazu sind diese Geschichten mittlerweile zu nah an der Realität. Die immer extremer werdenden Action-Filme, die heutzutage nicht mehr ohne zusammenbrechende und explodierende Wolkenkratzer auskommen, sind dafür ein Indiz. Wie langweilig erscheinen da die Verfolgungsrennen in Krimiklassikern wie "Die Straßen von San Fransico" oder "Einsatz in Manhattan". Noch früher waren es die Reisetagebücher, die mit ihren Erzählungen von unbekannten Landschaften und fremden Ländern und ihren Sitten für die ausgleichende Entspannung sorgten.

Das alles funktioniert im Zeitalter der Massenverfrachtung per Flugzeug und der alltäglichen Gewalt nicht mehr. Das Bedürfnis nach Ablenkung durch Unbekanntes erfüllen Mangas da weitaus besser.

Insbesondere die Selbstaufgabe und das Selbstverständnis der Verantwortlichkeit sind die herausragenden und fremden Merkmale dieser Geschichte. Irritierend ist auch, dass vor diesem Hintergrund sogar die als typisch böse dargestellten Figuren gezwungen sind, "gut" zu handeln. Das Fehlen klarer Feindbilder verwirrt im ersten Moment und zwingt zum Nachdenken. Das ist vielleicht das größte Gut, das ein Geschichte tragen kann. Die Wolfsgöttin ist beispielsweise in ihrer Art typisch böse, sie schreit und befiehlt, gelenkt von ihrem Hass auf die den Wald zerstörenden Menschen. Dennoch hilft sie Asitaka bei seinem Versuch, einen Krieg auf friedliche Weise zu beenden, also durch eine typisch gute Tat.

Der dritte Band beginnt mit einem furiosen Schlachtengemälde. Überall in der Welt dieser Geschichte wird gekämpft. Landsamurai, Eisengießer, Wildschweine und Wölfe ziehen in den unvermeidbar scheinenden Krieg. Mittendrin Asitaka und San, die beide trotz gegensätzlicher Motive für die selbe Sache kämpfen. Dem furiosen Endkampf mit göttlicher Einmischung folgt der friedliche und versöhnliche Abschluss der Geschichte - einfach herzerweichend. San und Asitaka kriegen sich nicht so richtig, aber immerhin wird alles gut.

Wie?? Wir haben hier zu wenig von der Geschichte verraten? Selber lesen! Oder ins Kino gehen, auch gut.

Prinzessin Mononoke ist eine bewegende Geschichte, die meisterlich erzählt und vorbildlich als Comic umgesetzt ist. Kein narrativer Fast-Food, wer den Inhalt nachvollziehen will sollte gut kauen!

Mehr Infos zu Anime auch unter http://www.animexx.de. Schöne Grüße an Björn.