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Jodorowsky / Gimenez
Erschienen
Die Meta-Barone IV: Oda die Urgroßmutter
01/1999
Feest Comics, Stuttgart
64 Seiten / DM 19,80
Der Metabaron ist eine der prägnantesten Figuren aus den "John Difool"-Geschichten, die vor allem durch die Zeichnungen von Moebius (Giraud) bekannt geworden sind. Sind die Alben von Moebius eher metaphysisch geprägt, was wohl dem Genuß bewustseinsverändernder Pilze durch den Zeichner zuzuschreiben ist, haben die Geschichten um die Vergangenheit des Geschlechts der Metabarone den Charakter eines fernöstlichen Epos.

Im mittlerweile vierten Band erleben wir die ungeheure Wut betrogener Väter, die selbstlose Hingabe einer Frau an ihre Bestimmung, ungezählte namenlose Opfer gewaltiger Raumschlachten, den Fall eines Ordens, und die Geburt des mächtigsten aller Metabarone: Eisenhaupt. Jodorowsky spielt die Stilmittel des Japan-Epos voll aus, wobei insbesondere die Gewaltszenen noch überzeichnet werden. Das wird durch die sehr organische Art der Bilder von Gimenez noch betont, was zu wahren Blutorgien führt. Man merkt schon beim Durchblättern, die "Metabarone" sind keine Fortsetzung der John Difool-Alben.

Obwohl im selben Universum angesiedelt, wird mit den gleichen Personen eine ganz andere Geschichte erzählt. Die Parallelen zur Verfilmung Frank Herberts "Wüstenplanet" von Dino de Laurentis sind nicht zu verleugnen. Nicht nur das Kastensystem und die fast allmächtige, von Frauen geführte Shabda-Oud Sekte sind deutliche Referenzen an Herberts Wüstenwelt, auch die zuweilen dreckige und nicht mit Schockeffekten sparende Bildsprache ist eine Huldigung des Films. Die Darstellung der mitunter pompösen Schauplätze und die Massenszenen erinnern ebenfalls an deLaurentis.

Die beiden Roboter, welche die Rahmenhandlung der Alben bilden, stellen sich so tollpatschig an wie Dick und Doof; R2D2 und 3CPO lassen grüßen. Sogar die galaktischen Krämer aus "Valerian und Veronique" tauchen kurz auf, und tragen zur Entspannung der harten Story bei. Zusammen mit dem Drang zur Selbstzerstörung im Sinne eines höheren Zieles und der Unbeirrbarkeit/Unbelehrbarkeit verbitterter und enttäuschter Machtträger entsteht ein Bild, das eher die antiken Mythen beschreiben.

Die bereits erwähnte konsequente und schonungslose Darstellung der Gewalt - platzende Schädel, abgetrennte und blutüberströmte Gliedmaßen, Exekutionen - verhindert die uneingeschränkte Empfehlung dieses Albums. Besonders die rituelle Vergewaltigung Odas durch ein heiligens Monster und die Enthauptung eines Säuglings indizieren, den Verkauf dieses Bandes an Minderjährige zu unterbinden.

Der virituose Umgang mit verschiedenen Stilelementen beweist die narritiven Qualitäten Jodorowskys. "Die Urgroßmutter" endet mit einem Cliffhanger, wie er spannender nicht sein könnte: Der Sohn tritt dem Vater gegenüber, um mit dessen Tod traditionsgemäß seine Stelle einzunehmen.


Es bleibt ein seltsames Gefühl zurück. Die Tiefe der Geschichte und die routinierte Qualität beindrucken, der hohe Gewaltfaktor schreckt ab; süß-sauer, wie ein chinesisches Gericht.