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Linde von Keyserlingk
Erschienen
Geschichten gegen die Angst
10/1999
Herder Verlag, Freiburg
143 Seiten
So beginnt Linde von Keyserlingk ihr Buch und diesem Grundsatz folgen alle ihre Geschichten.

Eine Erkenntnis, die einleuchtet. Aber was tun, wenn die Angst die zarte Kinderseele packt und fest im Griff hat?
Da nutzen die tröstenden Worte der Erwachsenen "Du brauchst keine Angst zu haben!" oder "Das ist alles nicht so schlimm!"gar nichts - im Gegenteil, sie vermitteln noch den Eindruck, man würde nicht ernst genommen, man könne seinen eigenen Gefühlen nicht trauen.
Verständnis ist zunächst das wichtigste - und dann: ganz behutsam die Angst bewältigen.

An Hand von Geschichten sehen, wie andere sich in ähnlichen Situationen verhalten, wie sich plötzlich ungeahnte Auswege und Lösungsmöglichkeiten ergeben. Darauf vertrauen, dass man seine Angst überwinden kann.

Da ist beispielsweise Mirko, der furchtbare Angst vorm Wasser hat, weil seine Brüder der Meinung waren, schwimmen lerne man nur dadurch, ins Wasser geworfen zu werden. Und der dann doch ins Wasser geht, weil seine Freunde den ganzen Sommer am See verbringen. Der immer ein Bein auf dem Boden behält und nur so tut, als schwimme er. Und ganz plötzlich, ohne es zu merken, tatsächlich schwimmen gelernt hat.
Oder Ebba. Die kann keine Spinne angucken, ohne dass es sie ganz schrecklich gruselt. Bis ihr Opa ihr die Geschichte von der Spinne Araneida erzählt, die in Wirklichkeit eine verzauberte Weberin ist und so gerne den Spinnenprinzen heiraten möchte. Und Ebba ihr hilft und dabei ganz vergisst, dass sie Spinnen eigentlich nicht ausstehen kann.

Aber da gibt es ja noch viel heimtückischere Ängste als die vor Spinnen oder vorm Schwimmen. Ängste, die das eigene Können in Frage stellen, die einen glauben machen, man sei ein Versager. So lange bis man ganz klein ist und sich gar nichts mehr traut. Dann freuen sich Quasselstrippe, Klatschbase und Plappermaul. Die Drei hocken nämlich auf der Dachrinne und warten, bis jemand vorbeiläuft, dem sie sich auf die Schulter setzen und ihre fiesen Sprüche einflüstern können. "Ich bin nix, ich kann nix, ich werd nix!"
Aber zum Glück gibt es Menschen, die wissen, was man dagegen tun kann, wie man sich durch Mutmachsprüche schützen kann: "Ich kann, was ich will!"

Der vierte Band der Reihe "Geschichten für die Kinderseele" geht einfühlsam auf verschiedene Arten von Kinderängsten ein und bietet ganz konkrete Lösungsmöglichkeiten.
Auch sprachlich orientiert sich die Autorin an den kleinen Zuhörern, sie überfordert sie nicht durch komplizierte Worte oder Begriffe.
Die Geschichten orientieren sich an der Alltagswelt eines Kindes, vermitteln das Gefühl: Das kenne ich doch! Die Welt, die sich vor den inneren Augen der Zuhörer entfaltet, weist viele Parallelen auf zur eigenen, aber trotzdem kann man das eigene Problem einmal von außen betrachten.

Die einzelnen Geschichten sind wohltuend kurz und bieten immer ein befriedigendes und glaubwürdiges Ende. Sie bieten Möglichkeiten zum Weiterdenken und Nachmachen, zum Sich-Erkennen und Sich-Abgrenzen.


Ein wunderbares Vorlesbuch, das Verständnis weckt für verzweifelte Kinderängste. Es verpackt originelle sowie altbekannte Lösungsansätze in tolle Geschichten, so dass es wirklich Spass macht, dieses Buch zu lesen. Man ahnt dahinter nicht das therapeutische Vorgehen sondern einen Menschen, der Lust am Erzählen hat und nebenbei das Selbstbewusstsein stärkt und Ängste überwindbar macht.