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Nancy Dreyfus
Erschienen
Sprich mit mir als wär ich jemand den Du liebst
01/99
Ryvellus Medienverlag, München
66 Seiten
Bei "Sprich mit mir" handelt es sich um ein wirklich nett produziertes Büchlein mit 54 Sätzen, die ihren Platz in jedem Vokabular für partnerschaftlichen Umgang haben sollten: "Es würde mir viel bedeuten, wenn Du mir einfach nur sagen würdest, was Du wahrnimmst, zu dem was ich Dir sage", "Ich habe ein riesiges Ding aus etwas gemacht, das nicht annähernd so wichtig ist. Ich laß es los", "Ich weiß, ich klinge ärgerlich. Ich fühle mich sehr bedroht". Unterteilt hat die Autorin ihre Lösungssätze in acht Rubriken, anzuwenden je nach Verhärtungsgrad der Fronten: "Grenzen setzen", "Verletzlich sein", "Verantwortung übernehmen", "Sich entschuldigen", "Informationen geben", "Klarheit bekommen", "Lieben" und "Erneuerung".



In ihrer Gebrauchsanleitung gibt die "Psychotherapeutin, Ehefrau und stille Beobachterin von wirklich bewußten Paaren" leider keine Eingrenzung, wie "Sprich mit mir" anzuwenden sei. Am Stand des Ryvellus Medienverlags bei der Frankfurter Buchmesse meinte man, die beste Lösung wäre, einfach die entsprechende Seite aufgeschlagen auf den Tisch zu legen oder dem Partner zu geben. Was man sich auch vorstellen könnte wäre, daß der "Anwender" im entscheidenden Moment den entsprechenden Satz aussucht und vorliest. Beide Wege stehen selbstverständlich immer in der Gefahr, ins Peinliche abzugleiten: Man stelle sich ein Paar vor, das - beide mit einem kleinen Heftchen bewaffnet - mittels "Sprich mit mir"-Sätzen diskutiert und dabei vergißt, daß es sich bei den 54 Lösungsansätzen um standardisierte Initialsätze handelt, die mit eigenen Gedanken gefüllt werden müssen.

Wie dem auch sei, allein das Studium des kleinen Bändchen kann einer gefühlsoffeneren Kommunikation den Weg bereiten: Allzu oft wird der Leser sich denken "Das hätte ich vorgestern auch sagen können", wird sich an mancherlei Streitigkeiten erinnern - wenn er dann innerlich die entsprechenden Sätze in sein Repertoire aufnimmt, ist für die nächste ähnliche Auseinandersetzung schon vorgebaut.

Eine wirklich gute Idee sind die dem Set angehängten Karten für eigene Lösungssätze: Sollte keine der angebotenen Aussagen in "Sprich mit mir" auf die konkrete Situation passen, wird der Anwender aufgefordert, eigene Sätze zu kreiren.

"Wie gehen zwei Menschen tatsächlich miteinander um?" - wenn man "Sprich mit mir" darauf reduzieren möchte, in Konfliktsituationen als Anfang eines neuen Austauschs zu fungieren, dann tut man Dreyfus Gedanken damit unrecht. Wer die Lösungsansätze der Autorin internalisiert, dem ist für die Zukunft ein besserer Umgang mit sich selbst und seinem Gegenüber in erreichbare Nähe grückt.

Wenn dann am Ende einer Diskussion oder eines Streites der letzte der Dreyfus-Sätze "Ich vergebe Dir vollständig" steht, dann offenbart "Sprich mit mir" gerade diesen tieferen Si