2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Ilse Kleberger
Erschienen
Käthe Kollwitz
10/99
Eine Biographie
E.A. Seemann Verlag, Leip
Immer wieder begegnen sie uns auch in heutiger Zeit, die einfachen, einprägsamen Zeichnungen, Radierungen, Lithographien, Holzschnitte und Plastiken von Käthe Kollwitz.

Nicht idyllisch, nicht ästhetisch sondern erschreckend realistisch bieten sie dem Betrachter ein eindrückliches Bild der damaligen Zeit, stoßen ab und ziehen dennoch in ihren Bann.
Sie zeigen aufständische Arbeiter, ausgemergelte Frauen, angstvolle Kinder, den Tod.
Es gibt auch andere Motive - beispielsweise die zahlreichen Selbstportraits - aber vorherrschend ist der kritische Blick ins Arbeitermilieu.
Auf eine für die damalige Zeit schonungslose und schamlose Weise wird Unrecht dokumentiert, der Blick nicht abgewandt.

Wer war die Frau, die diese Werke schuf, die nicht politisch sein wollte und dennoch zweckgebundene Kunst befürwortete?

Käthe Kollwitz ( geborene Schmidt) wurde 1876 in Königsberg (Ostpreußen) in eine Bürgerfamilie geboren, die stark von sozialen Ideen geprägt war. Vom Vater - der sie für zu hässlich zum Heiraten hielt - gefördert, erhielt sie schon früh Unterricht bei verschiedenen Lehrern.
Nach eigener Darstellung war es nicht das große Talent sondern der Wille, der Käthe Kollwitz zu einer bedeutenden Künstlerin machte. Sie arbeitete schon als junges Mädchen hart an sich, um ihr Können zu vergrößern und als sie in der Malerei nicht recht vorankam, entschloss sie sich, dem Rat ihres Lehrers Karl Stauffer-Bern zu folgen und sich ganz der Schwarzweißkunst zu widmen.
Von Anfang an reizte sie die Arbeiterwelt, streifte sie durch das Hafenviertel, wo sie den derben Männer beim Arbeiten zuschaute und sich gewissenhaft die markanten Gesichter einprägte. Hier sammelte sie Material für viele spätere Werke.
Trotz der Heirat mit dem jungen Arzt Karl Kollwitz und der Geburt zweier Söhne lebte die Künstlerin ihren Schaffensdrang auch weiterhin aus, stürzte sich schon bald in größere Projekte, versuchte sich endlich auch in plastischer Arbeit.
Der erste Weltkrieg erschütterte sie sehr, nicht zuletzt durch den Tod des jüngeren Sohnes Peter, den sie lange nicht überwinden konnte. Daraufhin fasste sie den Entschluss, dem Gefallenen ein Denkmal zu setzen, was sie allerdings erst 1932 in stark abgeänderter Form verwirklichte.
Der Nationalsozialismus ließ auch Käthe Kollwitz als moderne Künstlerin und Sozialistin nicht unbehelligt, sie musste aus der Preußischen Akademie der Künste austreten und durfte ihre Werke nicht mehr öffentlich ausstellen. Der zweite Weltkrieg regte sie zu zahlreichen Arbeiten gegen den Krieg an, brachte aber mit dem Tod ihres Mannes und ihres Enkels Peter, der in Russland fiel, eine Zeit der Depression und Sinnkrise.
Wenige Tage vor Kriegsende starb auch Käthe Kollwitz.

In dieser Biographie stellt Ilse Kleberger den Zusammenhang zwischen Zeitgeschichte und Wirken einer kritischen Künstlerin dar, zeigt auf, wodurch die junge Frau beeinflusst wurde ,wie sich ihre Arbeit im Laufe der Zeit wandelt und versucht, Motivationen und Ziele der Käthe Kollwitz anschaulich zu machen.

Streckenweise bleibt sie dabei sehr an der Oberfläche, vermag nicht, die Künstlerin für den Leser lebendig werden zu lassen.
Es ist ein recht kurz gehaltener Lebensüberblick, der ein besseres Verständnis der Werke erleichtert - anschaulich durch zahlreiche Bilder - aber dennoch auf manche Fragen keine Antwort gibt.