2017
 
 
 

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Joseph von Westphalen
Erschienen
Die Geschäfte der Liebe
10/99
DTV GmbH & Co KG, München
244 Seiten / DM 19,60
Als Normalbürger hat man gegenüber dem Adel natürlich so seine Vorurteile. Normalerweise erhält man Informationen über diese Sorte Mensch eigentlich nur in der Regenbogenpresse. Meistens werden diese durch ihre spektakulären Tode, wie etwa sich von einem besoffenen Chauffeur gegen einen Betonpfeiler fahren lassen (Diana), Rennbootfahren (Grimaldis) oder Paparazziverprügeln (Prügelprinz) in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt.
Nicht zu vergessen sind selbstverständlich die triefend nassen Klatschspalten ohne die kein Regenbogenblatt auskommt. "Wer treibts mit wem in der High-Society" ist das Topthema das gelangweilte Hausfrauen und Omis brennend interessiert und somit den einschlägigen Käseblättchen immens hohe Auflagen beschert.

Nein, Joseph von Westphalen ist keiner dieser dekadenten High-Society-Langweiler. Wenn nicht alle Schreibarbeit heutzutage über den PC laufen würde, könnte man sagen, dass dieser Mann tatsächlich königsblaue Tinte in seinen Adern hat. Mit wachem Verstand und scharfer Beobachtungs- und Kombinationsgabe skizziert er in seinen Glossen und Satiren ein recht unverfälschtes Bild unserer "besseren Gesellschaft".
Den etwas reisserischen Titel "Die Geschäfte der Liebe" wählte der Autor, wie er offen zugibt, der höheren Auflage wegen.
Das hat er eigentlich nicht nötig.

Die Texte von Joseph von Westphalen lassen keine Langeweile aufkommen und schenken Normalsterblichen wieder Mut und Zuversicht. Hier eine kleine Leseprobe aus "Ein Versuch über den Schmuck": "Statt den großzügigen Kavalier zu umarmen, lässt dann die umcourte Frau das 500.000-DM-Gehänge fallen wie eine heisse Kartoffel, nennt ihren Verehrer einen neureichen Grosskotz und zieht reumütig zurück zu ihrem armen, versoffenen, erfolglosen Dichterfreund, der sie wenigstens nicht mit solch kolossalen Geschmacklosigkeiten belästigt".

Versöhnt mit der bösen Welt und dem blaublütigen Klassenfeind legt man diese Lektüre zur Seite und gelangt zu der Erkenntnis, dass es den Blaublütigen genauso schlecht geht wie dem einfachem Volk - das aber wenigstens auf einem höheren Niveau.