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LGX Lillian Mousli
Erschienen
Die Augen der Angst
11/99
Jochen Enterprises - Gesellschaft zur Förderung intelligenter Unterhaltung, Berlin
96 Seiten / DM 39,90
"Was will Mousli uns mit ihren Bildern sagen? Ein böse, unnötige Frage! Gerade bei künstlerischen Arbeiten ist es doch so, dass ihre fühlbare Wirkung dort anfängt, wo Worte aufhören." Diese Sätze beschließen die Einleitung zu einem ansonsten wortlosen Bildband aus dem Jochen Enterprises Verlag. Auf über 90 Bildern, auf jeder Seite eines, wird eine kleine Geschichte erzählt. Von Angst, wie sie entstehen kann, wie sie die Realität verzerrt, wie sie unsere Blicke lenkt.

Anfangs scheint es wie eine eher lose Abfolge einzelner Bilder/Bilderfolgen, die sich in kleinen Sequenzen von einem Bilckwinkel zu einem andern weiterentwickeln. Allen Bildern ist ein "Kindchen-Schema" zu Eigen. Selbst die Darstellung eines Fensters wirkt niedlich. Dabei ist Mouslis Bildern nichts fremder als die verkaufsfördernde Niedlichkeit von Diddl-Bildern. Hier ist die Niedlichkeit mit einer natürlichen Unvollkommenheit verbunden und hat besonders im Zusammenhang einen fast bedrückenden Unterton. Oder ist es wieder die Angst, die der Titel suggestiv zu erzeugen versucht.

Dabei zeigen doch einige Sequenzen, dass die Dinge oft freundlicher sind, als wir sie zunächst wahrnehmen. So vermischen sich Vorahnung, Wahrnehmung, Hoffnung und Gefahr zu einer dichten Emotionssuppe die der Leser/Betrachter auslöffeln darf. Besonders wenn der Vorhang fällt, und der bedrohliche Unterton nicht durch ein erlösendes, weil positives Bild, aufgelöst wird.

"Die Augen der Angst" ist auch ohne Geschichte eine Sammlung schöner, einfacher, plastischer und bonbonfarbener Bilder, die einfach Spaß macht. Das quadratische Format lädt zum Verschenken und gemeinsamen Durchblättern ein. Wäre nicht die Fadenheftung und der harte Einband, müsste man sich einzelne Bilder rahmen und an die Wand hängen.

Alle Texte des Bandes sind zweisprachig Deutsch/Englisch gehalten. Das ermöglicht die Veröffentlichung in Amerika, wo Lillian Mousli bei Slave Labor - einem immer noch independant Label - mit "Stray Cats" und "Das Gruselalphabet" schon dem Publium vorgestellt wurde. Ein kommerzieller Erfolg wäre wünschenswert, denn der gäbe finanzielle Sicherheit bei der engagierten Arbeit des Berliner Verlages.

Aber auch ohne solche Hintergedanken ist "Die Augen der Angst" ein schön anzuschauender Bildband mit Inhalt der den Leser/Betrachter zum Verweilen einlädt.



"Die Augen der Angst" ein schön anzuschauender Bildband mit Inhalt der den Leser/Betrachter zum Verweilen einlädt.