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Erschienen
Reclams Opern CD-ROM
11/99
Philipp Reclam jun., Stuttgart
1 CD-ROM
Die Aufarbeitung "alter Künste" auf modernen Medien ist zwischenzeitlich auch für rennomierte Buchverlage nichts Neues mehr: Sachkataloge und ganze Bücher finden sich auf kleinen glitzernden Scheiben wieder und erweitern die Möglichkeiten des guten alten Papierwälzers ungemein.

Wichtig ist dabei allerdings für den Anwender eine optimierte Benutzeroberfläche, die die Möglichkeiten moderner Computersysteme auch ausnutzt.

Einen Versuch hat der Stuttgarter Reclam-Verlag mit seiner "Opern CD-ROM" unternommen. Mehr als ein gut gemeinter Anlauf ist dabei allerdings leider nicht herausgekommen.

Die Probleme fangen schon bei der Installation an: Wer zwei CD-Laufwerke eingebaut hat, der hüte sich, das mit dem höheren Laufwerksbuchstaben zur Installtion zu benutzen - das Programm lässt sich dann nicht starten, weil standardmäßig nur das andere CD-Laufwerk angesprochen wird. Dann muss man sich die Mühe machen, die Laufwerke im Win-System umzupolen. Wenigstens geht die Installation recht flüssig.

Willkommen geheißen wird der Benutzer mit einem adretten bild und den Klängen eines stimmenden Orchesters. Wenn allerdings der Dirigent zur Probe klatscht, ist es mit der adretten Aufmachung vorbei: eine asketisch nüchterne Oberfläche ist gleichsam ein Charakteristikum dieser Software - das allerdings lädt nicht unbedingt zum Verweilen ein.

Im Hauptmenü stehen sieben Lexikonrubriken (Komponisten, Opern, Personen, Wörterbuch, Spielstätten, Arien und Rollen) und ein Essay "Geschichte der Oper" zur Auswahl. Allerdings ohne Hervorhebung des Essays, das so schnell auch zur Lexikonrubrik gezählt wird. Hier wäre eine grafische Abhebung sinnvoll gewesen, wie überhaupt die grafischen Elemente weitaus zu kurz kommen.

Martin Heckmann hat das Essay beigesteuert und er macht darin einen Streifzug durch die verschiedenen Epochen. "Reich bebildert" ist diese Geschichtsreise angekündigt - umgesetzt in Miniaturbildern, die man dann manuell vergößern muss. Nun ja.
Wenigstens kann man sich den Artikel vorlesen lassen.

Das Lexikon enthält dann unzählige Einträge zu den entsprechenden Themen, wobei die Unterscheidung zwischen Komponisten und Personen etwas ungeschickt wirkt. Die Informationen sind prägnant und leicht zugänglich aufgearbeitet - ein echter Pluspunkt des Produkts.

Eine eigentlich wirklich gut gemeinte Einrichtung ist die Recherche-Funktion: Der Benutzer kann Suchwörter eingeben, nach denen die CD durchforstet wird. Schade nur, dass es sich dabei um keine Volltext-Suche handelt. Gibt man "Zauberflöte" ein, findet man zwar einen Verweis zum Werk, nicht aber zum Komponisten, bei "Ernani" wird Verdi nicht gefunden und bei "Ring" kein Link zu Wagner. Das ist nun wirklich ein bisschen zu billig gemacht!

Gleiches gilt für die inkonsequente Benutzung von Links: Mal reicht ein einfaches Anklicken (beispielsweise im Menü), während es an anderer Stelle einen - linkuntypischen - Doppelklick zum Fortkommen braucht.

Weiterer technischer Fehler: Das Programm erscheint nicht in der Tasking-Leiste von Windows. Wer also nebenbei in anderen Programmen arbeiten will, kann nicht auf komfortables Umschalten hoffen: Mit Alt+Tab muss manuell umgeschaltet werden.


Will man ein Fazit ziehen, dann ist die Opern CD-ROM inhaltlich durchaus empfehlenswert. Technisch ist die Umsetzung allerdings unprofessionell und nicht auf dem Stand der Technik.