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Georg Markus
Erschienen
Hans Moser: Der Nachlaß
12/2000
Verlag Kremayr & Scheriau, Wien
217 Seiten
Das Prädikat, Georg Markus Werk "Hans Moser - Der Nachlaß" sei der "erste authentische Hans-Moser-Bildband", hängte man sich beim Verlag Kremayr & Scheriau in Wien gleich selbst um, als man damit 1989 - 25 Jahre nach dem Tod des wohl berühmtesten Wiener Volksschauspielers - auf den Markt ging.

Und tatsächlich: Zahlreiche bis dahin unveröffentlichte Materialien konnten erstmals einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden, nachdem 1988 die von Mosers Ehefrau Blanca gesammelten Zeitdokumente von der Hans-und-Blanca-Moser-Stiftung zur Unterstützung alter, alleinstehender Menschen" der Stadt Wien zum Kauf angeboten und dadurch dem reichen Schatz, in dem sich bereits Nachlässe von Grillparzer, Raimund, Nestroy und Qualtinger befanden, zugefügt werden konnten.
Der Schriftsteller und Journalist Georg Markus, der sich bereits mit den Biographien Kaiser Franz Joseph I. und Siegmund Freuds einen Namen gemacht hatte, machte sich als Chronist ans Werk, um die Patina vom "Dienstmann" vorsichtig abzupolieren und ein Bild nach neuesten Erkenntnissen zu zeichnen.

Dass wir heute - mehr als 10 Jahre danach - noch einmal auf diese ganz bemerkenswerte Dokumentensammlung verweisen wollen, mag den Anspruch, dem sie gerecht wird, verdeutlichen.

Der Ausspruch vom Gründer der Salzburger Festspiele, Max Reinhardt, "Der Moser ist gar kein Schauspieler, sondern ein Wahrspieler", ist gleich einem Motto über das Werk gesetzt, das in feinen Konturen "Nuschler" Mosers Bild nachzeichnet: Ein liebenswerter Grantler - genau der Typus Mensch, den Hans Moser in den meisten seiner Filme zu verkörpern pflegte.
Nicht devot, aber respektvoll malt Markus das Bild des kleinen Wieners aus den Schwarz-Weiß-Filmen in bunten Farben nach; und mit einer stillen Verbeugung, wenn er bereits auf den ersten Seiten feststellt: "Auch ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod scheint das Wort ´unersetzlich´ für ihn keineswegs übertrieben".

Ein Urteil, das - auch diese Seite der Medaille wird nicht verschwiegen - zu Beginn von Mosers "Karriere" (damals noch als Johann Julier) überhaupt nicht zu erwarten war: Fast wehmütig studiert man das Ankündigungsplakat zu "Die Deutschmeister sind da!", auf dem man Moser noch mit der Lupe suchen musste.
Aber - dem Himmel seis gedankt - dabei ist es ja nun nicht geblieben; zwar erst mit 42 Jahren, aber dann eben doch, gelang ihm der Durchbruch.
Und was für einer. 1923 schrieb sich Moser die Nummer auf den Leib, die die Rolle seines Lebens werden sollte: Den "Dienstmann", mit dem er Jahrzehnte lang sein Publikum begeisterte. Das Original-Manuskript ist faksimil beigegeben.

Die unzähligen Theater- und Filmrollen aus Mosers großer Zeit lässt Markus wieder vor Augen treten. Ein Beispiel sei der Gerichtsdiener "Frosch" aus der Fledermaus, mit der er 1958 sogar in der New Yorker Carnegie Hall auftrat; selten wurde eine Nebenrolle derart in den Mittelpunkt gestellt, wie in diesem Fall. 1962 brillierte der inzwischen 82-jährige Moser noch einmal in der Verfilmung mit Peter Alexander als Eisenstein.
Aber auch der Film-Durchbruch mit Willi Forsts Streifen "Maskerade", der Erfolg von "Burgtheater", seine legendäre Fiaker-Rolle in "Hallo Taxi" und natürlich "Der Kongress tanzt" aus dem Jahr 1955.

Mit Paul Hörbiger verband Moser viel. Häufig standen die beiden Schauspieler gemeinsam vor der Kamera; mit "Wir bitten zum Tanz", "Schrammeln", "Schabernack", "Wiener Geschichten", "Hallo Dienstmann" und "Ober zahlen!" sind nur einige wenige Filme exemplarisch genannt.

Ebenfalls nicht unbeachtet: Mosers musikalische Hinterlassenschaft. Gibt man heute in einschlägige Musik-Suchmaschinen den Namen "Moser" ein, so finden sich unzählige Eintragungen. Titel wie "Der Dr. Lueger hat mir einmal die Hand gereicht", "Die Reblaus" oder "Hallo Dienstmann" finden nach wie vor ihre Fans.

Es sind die schönen, wie die traurigen Kapitel, die Georg Markus aufschlägt: Mosers "Mein Führer"-Brief an Hitler, in dem er um Gnade für seine jüdische Frau Blanca fleht, gehört ebenso zu den Schattenseiten, wie die dennoch notwendige Emigration der Gattin und die jahrelange Trennung.

"Hans Moser starb am 19. Juni 1964, zwei Wochen vor Vollendung seines 84. Lebensjahres, im Wiener Hanuschkrankenhaus an Alterskrebs. [...] Mehr als fünftausend Menschen begleiteten Moser auf seinem letzten Weg [...]".


Georg Markus hat mit "Hans Moser - Der Nachlaß" eine Dokumentation vorgelegt, die nach wie vor ihresgleichen sucht - immer noch eine absolute Top-Empfehlung für jeden Moser-Fan.

In den lieferbaren Titeln haben wir es allerdings nicht mehr gefunden - bleibt für diesen Fall nur der Weg entweder über den Verlag, oder über ein gut sortiertes Antiquariat.