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Erschienen
Zetsuai
12/2000
Carlsen Verlag, Hamburg
Ca. 180 Seiten / DM 12,00
Mangas und keine Ende. Warum auch? Im Land der kleinen Menschen gibt es eine riesige Auswahl der Wegwerf-Geschichten. Jedes bekannte Genre wird abgedeckt. Die bisher auf dem deutschen Markt erschienenen Titel zeigen nur einen Bruchteil des im asiatischen Raum verfügbaren Materials.


Neben den stark Fantasy lastigen Serien wie NGE oder den Kinder-Reihen wie Dragon Ball gibt es nun auch vermehrt Serien der "Mädchen-Mangas" oder "Shonen Ai" (einen kurzen Abriss zu dieser Sparte der Mangas findet man am Ende des Bandes) bei uns zu kaufen.


In "Zetsuai" dreht es sich wie bei allen Titeln dieses Genres um eine äußerst schwierige Liebesbeziehung. Koji (männlich) verliebt sich "aus versehen" in Takuto (ebenfalls männlich). Das Thema männliche Homosexualität war bisher ja mit Königs Geschichten eher etwas von Schwulen für Schwule und ansonsten ein Tabu. Nun also eine Herzschmerz-Story um zwei Junges für ein vorwiegend weibliches Publikum (so jedenfalls sieht das die Marktforschung).


Koji, der erfolgreiche Popstar findet sich zu Beginn der Geschichte im Bett des Fußballers Takuto wieder – übrigens die einzige Szene, in der die beiden körperlich aneinander geraten, und das auch noch unter der Bettdecke. Ansonsten wird der Leser in eine schwer nachzuvollziehende Abfolge kurzer Sequenzen gerissen. Das Tempo der Erzählung ist atem- und sinnberaubend. Beide Hauptfiguren leben ihre persönliche Obzession. Takuto ist ein begnadeter Fußballspieler, will sich aber nicht an einen großen Verein verkauf. Statt dessen ist er lieber eine Ein-Mann-Mannschaft in der die restlichen Mitspieler nur Staffage sind. Koji kommt vor lauter Verliebtheit seinen Terminen im Show-Biz nicht nach, und gefährdet so seine junge Karriere.


Irgendwie erinnert das an zwei japanische Werthers. Gedrängt von ihrer Liebe gehen beide große Risiken ein. Doch wie sagte ein altes amerikanisches Sprichwort "Dont cry - Work!" "Heul nicht - schaff was!". Große emotionale Probleme kann man zulassen, sie herbeireden oder sie verdrängen. Einige könne sie sogar verarbeiten. Was bei Goethe Ausdruck eines Zeitgeistes war, verkümmert im Manga zum einfachen Zeitvertreib um den Weg zur Arbeit/Schule zu verkürzen und landet meist nach einer Stunde wieder im Papierkorb.


Zetsuai ist ein Stück romantische Traumwelt, wie sie die fernöstliche Realität nicht zulässt. Wer den ganzen Tag arbeitet, kommt gar nicht dazu, sich mit realen Menschen lange genug auseinander zu setzten. So kann es nicht wirklich zu solchen Emotionen kommen. Aber die Shonen Ai liefern ein Surrogat, das wenigstens für ein paar Minuten diese Tatsache vergessen lässt.


Carlsen neuer Manga ist nicht nur wegen seines Themas interresant. Die Bilder haben eine eigene Sprache jenseits der Kulleraugen und knackigen Brüste. Einige Paneels gleichen eher Modezeichnungen als Comic-Bildern. Ansonsten gibt es alles, was das Manga-Herz begehrt: Geschwindigkeitsstriche, eingezogene technische Raster und die Träne zur Verdeutlichung der peinlichen Situation. Alles perfekt bis an die Grenze zur Sterilität.


Die eigentliche Story ist natürlich eine Endlos-Fortsetzung, abgeschlossen wird dieser Band mit der Geschichte "Liebeslied". Zusammen mit dem redaktionellen Teil also ein gelungener erster Band.