2017
 
 
 

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Edward Lucie-Smith
Erschienen
KUNST HEUTE
12/97
Kindler-Verlag, München
512 Seiten / ca. DM 130
Wenn ich mich mit Bekannten über kontemporär Kunst unterhalte, kommt mindestens einer folgender Sätze: "Meine Wanne is auch dreckig, aber noch keine Kunst", "So malt auch meine vierjährige Tochter" oder "Seit wann ist Scheiße Kunst?".

Warum ist eine Fett-Ecke ebenso Kunst wie die Klassiker von Da Vinci oder Rembrandt? Sieht das Bild besonders alt oder schwierig zu malen aus, ist es halt Kunst. So simpel ist die Materie nicht. Kunst wird erst zur Kunst durch verschiedene Aspekte wie den zeitlichen oder den sozialen Bezug. Ohne das sind Bilder bloßes Handwerk, schön aber nicht wichtig, wie ein Poster meiner Lieblingsband.

Daß Kunst besonders nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr so einfach und gradlinig war, und das immer noch nicht mehr ist, macht dieses mächtige und mächtig gute Buch klar. Smith räumt mit einigen Vorurteilen auf. Mir war beispielsweise die Problematik bei Picasso vor dieser Lektüre nicht bewußt. Picasso machte Kunst, das haben wir in der Schule gelernt. Picasso verarbeitete Einflüsse aus dem Afrikanischen und übte in seinen Bildern Kritik an den herrschenden Verhältnissen. Doch auch Picasso nahm nur bei der afrikanischen Kunst, raubt deren Ausdrucksmittel, ohne sich einen Deut um die Hintergründe zu scheren, betrieb also künstlerischen Imperialismus, um es simpel und provokativ zu formulieren.

Warum wurde eine Tomatensoßen-Dose zur Kunst? Die Antwort liegt in den Seiten dieses Buches. Allerdings liest es sich etwas trocken. Kunst ist durch den Bezug zum echten Leben eine spannende Sache. Hier wird eher nüchtern - aber dadurch sachlich - eine Geschichte der Kunst unseres Jahrhunderts geschrieben. Über 700 farbige Fotografien von Plastiken, Installationen, Bildern und was sonst noch gemacht wurde, macht das ganze anschaulich.



Kein Buch für Kunst-Muffel aber der Interessierte bekommt einen neuen Blick für die Kunst von heute.