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Keith Giffen & Alan Grant / Simon Bisley
Erschienen
Lobo #1: Paramilitärische Weihnachten
12/1998
Dino Verlag GmbH, Leinfelden Echterdingen
52 Seiten / DM 9,99
"Warnung: Schlechter Geschmack in Form von nackter Gewalt, Zerschlitzten heiliger Ikonen und des Effe-Fingers sind hier allgegenwärtig. Sogar viel extremer, als man das von Weihnachten eh gewohnt ist."
Dieser orthographisch interessante Aufdruck ziert die Rückseite des zum Schutz des unvorbereiteten Lesers in einer verschweißten Plastikhülle zum Kauf angebotene Comic "Lobo - paramilitärische Weihnachten".

Lobo erblickte in dem lang vergessenen Comic "Omega Men" das Licht der Bilderwelt. Nur der böse Lobo überlebte und schaffte seinen Durchbruch in einer Mini- Serie, in der er eine Schullehrerin an ihren Bestimmungsort bringen mußte. Da die alte und unsympathische Dame des öfteren ausbüchste, hackte Lobo ihr die Beine ab, schließlich stand nichts von Unversehrtheit im Vertrag; auch der Buchstabierwettbewerb ist in die Comicgeschichte eingegangen (Lobo brillierte beim Buchstabieren solcher Worte wie Massenmord und Genozid).

Nun nimmt Lobo es mit dem Weihnachtsmann auf. Keine Frage, obwohl der beliebteste Bösewicht des DC Universums kräftig mit dem Weihnachtsmann-Kitsch aufräumt, muß nach seinem Besuch am Nordpol einiges entsorgt und besonders aufgewischt werden. Gedärme fliegen und Köpfe platzen, Nichts für zarte Gemüter! Und nirgends ein Zeichen der Reue, moralisch also verwerflich bis zum Letzten.

Technische betrachtet kann vor allem die Lokalisierung begeistern. Selten gelingt es, ein fremdsprachiges Heft so treffend ins Deutsche zu bringen. Angefangen vom "Christstollen im Aldi-Zehnerpack" bis zum neuen Text zur Melodie von "Morgen kommt der Weihnachtsmann" und dem Zwergenlied aus "Schneewittchen und die sieben Zwerge": "Hei Ho hei ho was sind wir wieder froh - ich köpf sie glatt - ich knall sie ab und tret sie platt". Toll!

Die alten, wiederveröffentlichten Werbungen für die anderen Lobo-Hefte des Verlagens verwirren, die Termine in den Anzeigen sind veraltet: "Mal schnell ne Werbung zum Thema reingeklatscht".

Eingebettet ist das Ganze in einer Rahmenstory, um ein Elternpaar, das nicht weiß, wie es den Weihnachtsstreß mit den zehn Kleinen überlebt. Ein Lösung wäre es, die Plage präventiv mittels der Schrotflinte zu beruhigen. Krass! Die Zeichensprache schlägt in genau die selbe Kerbe. Über die Einzelheiten legen wir die geblümte Decke des Schweigens, bevor unbescholtene Seelen allein durch die Schilderung schon Schaden erleiden.


Wer "Lobo - paramilitärische Weihnachten" seinem Kind schenkt, sollte verhaftet werden.
Gesetzte Personen, für die rabenschwarzer Humor wie platzende Fettsäcke à La Monthy Pyton Frühstückskost ist, sei diese blutige Abrechnung mit dem Thema "Familienfest Weihnacht" ans Herz gelegt. Übrigens auch mit einem anderen Cover zum selben Preis ohne Warnung erhältlich, soviel zum Thema verkaufsfördernde "Variant Covers".

Lesen Sie auch unseren Magazin-Artikel zum Thema "Grenzen der Unterhaltungsindustrie".