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Janosch
Erschienen
Ich liebe eine Tigerente
02/2000
Kleiner Beziehungsberater
MosaikVerlag, Münc
82 Seiten / DM 24,90


Nun, für Kinder ist dieses Bändchen, das 1999 bei Mosaik erschienen ist, eigentlich nicht. Zumindest nicht im strengeren Sinne.
Denn der "lebenswichtige Berater auf dem Weg durch den Gefühlskosmos von Tigerenten und Fröschen" enthält manche Zote, die von den lieben Kleinen gründlich mißverstanden werden könnte: Schon auf den ersten Seiten stellt sich die Frage "Was findest du herrliches Wesen von einem Günther [Kastenfrosch Red.] bloß an dieser erbärmlichen Ente aus Holz?" - und bei dieser Rollenverteilung bleibt es.

Klar, Günther hat seine Tigerente gerne um sich - "Weil ich sie liebe", wie er sagt. In Wirklichkeit aber läßt er sie nicht einmal in seinen Schlafkarton, sie muss ihm auf Schritt und Tritt folgen (das haben Holzenten so an sich), er brüllt sie an ("Man muss nur gehörig brüllen, dann kommt alles in Ordnung") und bei Diskussionen ist Günther Kastenfrosch stets der Sieger, "weil sie nichts ... zu sagen weiß". Seinen eigenen Nutzen aus dieser "Liebe" schlagen, das kann der grüne Gigolo dagegen gut: Sie ist sein Schiffchen auf dem See.

Tja, so lebt denn die Tigerente bei Günther ein Leben "treu und ergeben wie ein Stiefelknecht".

Es sind die subtilen Botschaften, die Erwachsene als Humor enttarnen mögen, die für Kinder aber nicht immer durchschaubar sein mögen: "Liebe darf in der Anschaffung und im Aufenthalt nicht teuer sein, denn die Pesos brauchen wir doch für Cheeseburger mit Fritten", die Liebe, so Günther bestünde aus der täglichen Frage, wen der Partner wirklich liebt ("fragen, fragen, fragen, bis einer tot vom Sofa fällt").

Wer sich aber erwachsen dem 80-Seiten-Bändchen widmet, der wird gefangen von einer spritzigen Sicht auf die Dinge - sieht sozusagen alles durch die grüne Brille eines Froschs: Zusammen mit seiner "Geliebten" macht sich Günther auf den Weg nach den Geheimnissen des Kosmos, was das Leben ausmacht, wer das Leben schuf und welche Geheimnisse die Liebe als solche bietet. Wir erleben die Höhen größten Glücks, aber auch die eine oder andere Nacht, "in welcher mich die große tiefe Einsamkeit befällt". Sogar Weihnachten mit einem lichterloh brennenden Bäumchen bereitet Günther seiner Tigerente.

Also: Ran an "Ich liebe eine Tigerente", denn wer das Büchlein einmal aufgeschlagen hat, der wird sich verlieben, "und diese Liebe wird ewig dauern. Wetten?"

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