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Dough Moench / Dave Ross
Erschienen
JLA: Ein Akt Gottes
10/2001
Panini Verlags GmbH, Nettetal
204 Seiten / € 4,99
Ein dickes Ding! Panini setzt die Messlatte für gute Trades ein bisschen höher. Papier und Karton sind bei den Nicht-mehr-nur-Marvel-Machern besser und fester, und das erhöht die Lebensdauer. Aber es ist ja nicht nur das buchbinderische Handwerk, das bei einem Comic stimmen sollte.

Die amerikanische Vorgabe:
Die Comic-Götter im Land der Atomraketen und der Fleisch-Brätlinge mit Ketchup und weichem Brötchen lieben es manchmal pathetisch. Alles sollte eine Spur größer, heldenhafter und wichtiger sein als es gut tut. "Ein Akt Gottes" gehört in diese Klasse.

Auf einen Schlag gibt es keine Superkräfte mehr. Superman kann nicht mehr fliegen, Flash ist lahm wie eine Schnecke und Green Lantern lernt auf die harte Tour, wie man Schläge kassiert. Warum? - Das wird nicht näher erklärt: Es passiert halt. Hier geht es darum, wie man mit Verlust umgehen kann. Superman zum Beispiel isoliert sich total und weint mehr als Götz George. Green Lantern will es nicht wahr haben und explodiert schließlich, vergisst den Selbsterhaltungstrieb und endet siegreich, aber tot.

DC versucht sich mal wieder mit einem auf Psychologisch getrimmten Comic. Natürlich bleibt es oberflächlich, denn es muss massentauglich und verkäuflich bleiben. Tiefer schürfende Sachen wie Maus oder Cerebus erzielen zwar immer wieder gute Kritiken, aber leider keine hohen Verkaufszahlen. Trotzdem ist der Ansatz gar nicht schlecht geraten. Wie wird man mit Gefühlen fertig? Das lernt man leider nicht in der Schule. Aber wo sollte man es dann lernen. Viele Menschen haben immer mehr Freizeit aber immer weniger Sinn in ihrem Leben. Der Boom der Psycho-Sekten ist hierfür ein Symptom in einer nach Inhalt suchenden Gesellschaft. Da ist jeder Denkansatz willkommen.

Aber dieses Comic bleibt ein Action-Comic. Es bleiben ja die Helden, wenn auch ohne Superkräfte: Batman, Steel, Blue Beetle und die Anderen. Sie müssen nun in die Bresche springen und die Morgenluft schnuppernden Bösewichter in die Schranken weisen. Klar, dass in so einer Situation Lex Luthor nicht weit sein kann. Er stattet die Schurken mit seiner Technologie aus, um so die Weltherrschaft zu erringen. Nebenbei versucht er dem Phänomen der Superkräfte auf den Grund zu gehen. Ohne Rücksicht auf Menschenleben, wie das Atom feststellen muss. Einige Ex-Helden gehen bei Batman in eine harte Ausbildung und versuchen "normale" Helden zu werden.

Aber selbst in diesem Elseworld-Abenteuer gibt es zum Schluss einen Hoffnungsschimmer auf Superhelden-Action: Der Sohn von Superman und Wonderwoman hat glühende Augen und lässt sein Spielzeug durch die Luft fliegen.

Die Zeichnungen von Georg Freeman sind auf hohem Niveau und haben sogar einige Höhepunkte. Ganz zum Schluss begegnen sich der Martian Manhunter und Superman unter einem Baum und das Lichtspiel der Blätter erinnert angenehm an Al Wiliamson. Da vergisst man gerne die gelegentlichen kleinen Patzer in Punkto Proportion.

Die Umsetzung ins Deutsche:
Übersetzungen sind Paninis Stärke nicht, aber man kann damit gut leben. Die Verarbeitung ist wirklich klasse und verdient ein Lob. Knappe dreißig Mark sind ein harter Brocken, aber man bekommt dafür eine Menge Comic - geht also auch in Ordnung.


In der Vergangenheit gab es immer wieder Probleme mit der Veröffentlichungspolitik der stark ineinander verflochtenen Serien in Deutschland. Der deutsche Markt ist einfach nicht groß genug, um das gesamte Programm von DC (oder auch Marvel) aufnehmen zu können. Da sind die Elseworld-Geschichten eine gute Möglichkeit, starke Storys und neue Helden ohne den Druck der Kontinuität auch hierzulande zu veröffentlichen.