2017
 
 
 

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Tomi Ungerer
Erschienen
Otto
02/2000
Diogenes Verlag AG, Zürich
36 Seiten / DM 26,90
Mit "Otto - Autobiographie eines Teddybären" erfüllt der Zeichner und Erzähler Ungerer nicht die Erwartungen, die man an den als frech und innovativ bekannten Illustrator stellt. Obwohl es zuerst wie ein Kinder-Bilderbuch aussieht, hebt sich "Otto" schon allein durch die reale/brutale Darstellung des Zweiten Weltkriegs aus diesem Genre heraus. Anfangs ist Otto ein normaler Teddy, sein Lebensinhalt ist es, dem kleinen David ein treuer Freund zu sein. Doch dann kamen die Männer mit den Ledermänteln und brachten David fort. Hier trennen sich Davids und Ottos Wege. Er lernt den Kummer auf den verschiedensten Seiten des Krieges kennen. Sogar einen Orden wird ihm verliehen. Viel muss er erleben und erleiden bevor er wieder in den Armen Davids liegen darf. Ungerer schildert diese melancholische Geschichte in seinen typischen groben aber aussagestarken Bildern.

Obwohl Nazis eine Rolle spielen, sind sie hier einmal nicht die "Nur-Bösen". Schuldzuweisungen sind dieser Geschichte fremd. Dadurch werden die Gefühle aller Beteiligter erfühlbar. Kein Böser, der sich nicht über die Freundschaft eines Teddys freuen darf und kein Guter, der klinisch rein zu einer abstrakten Größe wird. Das Elend wird, wenn es gezeigt wird, ganz natürlich ins Bild gesetzt und verliert dadurch die Unnahbarkeit anderer gut gemeinter Anklagen gegen den Krieg. Diese Darstellung kommt der verkorksten Menschlichkeit ziemlich nah, versuchen wir Menschen doch in allem etwas Gutes zu sehen.

Kinder sind da die Meister, sie können auch noch mitten im Krieg spielen. Aber Spielen scheint ein Grundbedürfnis zu sein - sollte man nicht eher sagen: Kinder müssen auch im Krieg spielen?

Otto ist weder Amerikaner noch Juden oder Nazi, er ist ein Teddybär. Das personifizierte, nein das teddyfizierte Gute auf der Welt. So schafft er es ohne Gram und Groll jedem seine Güte anzubieten.

Selbst beim distanzierten Betrachten wird es gemütsbetonten Lesern schwer fallen, die Tränen der Rührung zu unterdrücken, wenn sich die Freunde David, Oskar und Otto nach Jahren der Trennung im hohen Alter wieder treffen. Otto erzählt sein Leben in schwieriger Zeit und widrigen Umgebungen wie dem Zweiten Weltkrieg oder der Armut in amerikanischen Gettos ohne Schuldige zu nennen. Aufgrund der Härte des Lebens und dem Zwang, sich seine eigenen Gedanken zu machen, nicht für Jedermensch.


Wer Tränen und Träume hat, sollte sich Ottos Leben einmal anschauen.