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Petra Hammesfahr
Erschienen
Der Engel mit den schwarzen Flügeln
02/2001
Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach
336 Seiten / DM 14,90
"Engel" nennt Martin seine Frau Angelika, und tatsächlich wirkt die schöne junge Frau wie ein Geschöpf aus einer anderen Welt.

Und es ist eine fremde Welt, in die der Leser da unvermittelt hineingerät. Das angebliche Wohn-"Paradies" Kronbusch, in dem die Geschichte spielt, stellt sich bald als eine bedrohliche, beklemmende, todbringende Umgebung heraus, in der alle Beteiligten die Orientierung verlieren.

Der Leser wird Schritt für Schritt eingeweiht in die mysteriösen Zusammenhänge. Da geschehen in der modernen Wohnsiedlung Kronbusch unvermittelt Selbstmorde, die keinen Sinn ergeben. Menschen, die von ihrer Umwelt als ausgeglichen dargestellt werden, beenden ihr Leben auf blutige Weise. Die Angst vor weiteren Zwischenfällen greift um sich. Es herrscht Ratlosigkeit.

Und über all dem - hoch in ihrem Haus auf dem Dach - thront Angelika. Ein bisschen verwöhnt, ein bisschen verwirrt und meistens unnahbar. Und im Laufe der Zeit immer launischer, aggressiver, kälter. Von Erinnerungsbruchstücken heimgesucht. Ihre Ehe mit Martin scheint an den unerklärlichen Todesfällen zu zerbrechen. Martin fühlt sich persönlich für die Selbstmorde verantwortlich - Angelika auch... Doch wer hat letztendlich Schuld?

Dann gibt es da noch das Mädchen mit den unheimlichen Augen, aus denen der blanke Hass spricht. Ihre Adoptivmutter macht sich verrückt vor lauter Sorge um sie - und beobachtet Merkwürdiges. Darf man sich auf das verlassen, was man schon immer geglaubt hat?

Leser mit einem Hang zum Übernatürlichen werden schnell ihre Schlüsse ziehen. Doch auch die Skeptiker müssen bald eingestehen, dass im Roman eben alles möglich ist und sie mit Logik diesmal nicht weiterkommen - zumindest wenn sie das Buch nicht schnell beiseite legen. Falls sie sich doch zum Weiterlesen entschließen, werden sie auch erfahren, dass eben gerade die Skepsis dazu führt, dass niemand der Gefahr entgegentritt und der scheinbar selbstgewählte Tod weiter um sich greift...

Mysteriös? Beklemmend? Spannend? Ja. Doch der anfangs so sorgsam aufgebaute Spannungsbogen erleidet zwischendurch ein paar Brüche. (Genau wie die sonst recht klischeehaft gestrickten Charaktere.)
Gerade gegen Ende vermag die Geschichte nicht mehr besonders zu überraschen - aber die düstere Atmosphäre wird weiter aufrechterhalten. Es ist ja so ungemein prickelnd, sich vor dem Unbekannten zu fürchten - das kann man dann ruhig noch ein paar Seiten verlängern.


Ein Buch für alle mit einer Schwäche für parapsychologische Phänomene, mit Spaß am Unerklärlichen und einem Hang zum laienhaften Analysieren schwarzer Seelen. (Es ist ja alles so schön einfach.)

Für alle anderen eher ein Buch zum Kaminanzünden.