2017
 
 
 

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Photograph: Ken Ohara
Erschienen
One
02/98
Taschen, Köln
496 Seiten / 39,95 DM
Bei solchen Büchern fragt man sich: Braucht man so was?
Aber "ONE" stellt selbst das Wort "Buch" in Frage. Ist es noch ein Buch, in dem nur ein einziger Satz steht? Bilderbuch ist auch nicht passender, verbindet man mit Bilderbuch doch gleich Kinderbuch. Treffender ist der Satz auf dem Schutzumschlag: "Ohara würde es bevorzugen, dieses Buch nicht als Photoband zu beschreiben; es ist vielmehr ein New Yorker Telefonbuch der Gesichter". Fast 500 Seiten Gesichtern. Keine Haare, Hüte oder Kopftücher. Keine Kragen, Hälse oder T-Shirts. Nur Augen, Nase, Mund. Und alles nur in Schwarz/Weiß.

Langweilig?

Zumindest polarisiert "ONE". Möglicherweise lenkt die Begrenztheit des zu Betrachtenden den Blick zum Detail. Auffällig ist die Dominanz der Rundnasen. Keine Aussage über die Nasenträger. Sicher sind unter den Gezeigten Verbrecher, Samariter, Bänker und Frauen. Letzteres läßt sich manchmal noch erkennen, sicher nicht immer. Wer möchte, kann sich nun echt schlaue Gedanken machen.
Aber wer will schon denken?
Verraten die Augen etwas über die Seele? Bilder davon jedenfalls nicht. Gesichter sagen da schon mehr. Wie sähe ein solcher Band mit Gesichtern aus der deutschen Provinz aus? Anders!
Bedeutet das was?
Dieses Buch macht Lesezeichen arbeitslos, weißt also wie jede Kunst auf die Probleme seiner Zeit hin. Taschen macht hier ein Werk der Masse zugänglich, das bislang noch keiner vermisst hat. Wer es hat, wird es nicht würdigen oder nicht mehr hergeben wollen.
Gibt es das reine Gute und das wirklich Böse? Wie gesagt, dieses Buch hat das Potential zu polarisieren. Tolles Geschenk für den Kunstlehrer.